Zeitreise auf zwei Bühnen

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Tageszeitung „Der Patriot“ vom 13. Juli 2026 / Marcus Kloer

Hundert Jahre lassen sich in Daten erzählen – oder in Geschichten. Der Literaturkurs der Oberstufe des Friedrich-Spee-Gymnasiums entschied sich zum 100-jährigen Schuljubiläum für den zweiten Weg.

Mit dem Theaterstück „10 x 10 – ein Spiel mit der Zeit“ führte die Gruppe ihr Publikum durch die Jahrzehnte von 1926 bis 2026. Regie führten Marie Kretzschmar und Janine Verheyen. Die Aufführung setzte weniger auf historische Vollständigkeit als auf Denkanstöße. Die meisten Texte entstanden aus der kreativen Arbeit der Schüler selbst. Mit zwei wechselweise bespielten Bühnen, schnellen Rollenwechseln und einer facettenreichen Inszenierung entwickelte sich ein Theaterabend, der Vergangenheit und Gegenwart miteinander verband.

Die Zeitreise spannte einen weiten Bogen von den emotionalen Abgründen des 20. Jahrhunderts bis hin zu leisen, nachdenklichen Gegenpolen. Dem dröhnenden Gleichschritt der Soldaten in der Alten Aula und dem klaren Bekenntnis gegen das Vergessen standen Szenen voller Menschlichkeit, Fantasie und dem Wunsch nach Nachkriegssicherheit gegenüber. Das Stück beleuchtete den Konflikt zwischen gesellschaftlichen Erwartungen und persönlicher Freiheit ebenso wie die kleinen, humorvollen Absurditäten des Alltags.

Nach der Pause bereichert das Improvisationstheater des Friedrich-Spee-Gymnasiums das Programm. Es folgen Musik, Tanz und eine Choreografie zur Popkultur der Spice Girls, bevor mit Harry Potter gesellschaftliche Fragen nach Chancengleichheit und Eliten auf die Bühne kommen.

Den Schlusspunkt setzt eine Parodie auf den amerikanischen Präsidenten Donald Trump, der in einfachen Bildern und großen Worten vor allem von seinem selbstempfundenen Erfolg spricht. Auch hier überlässt das Stück die Bewertung seinem Publikum.