Tageszeitung „Der Patriot“ vom 19.06.2026 / Marcus Kloer
Wie fasst man 100 Jahre Schulgeschichte in Worte? Vor dieser Aufgabe standen Dr. Andreas Dierkes und Daniel Rikus bei ihrem Programm zum Jubiläum des Friedrich-Spee-Gymnasiums in Rüthen.
Die Suche nach einer Festrede wurde für die beiden als „Duo Ridiculus“ zum Ausgangspunkt eines Abends, der sich zwischen Kabarett, Theater, Musik und Parodie bewegte und immer wieder den Blick auf Schule, Bildung und ihre Veränderungen richtete.
Zu Beginn steht Dierkes vor einem Problem. Die fiktive Rede zum Schuljubiläum soll von ihm geschrieben werden, doch die Verantwortung lastet schwer. Hinzu kommt die Technik, die lautstark Aufmerksamkeit einfordert und die Konzentration stört. In diese Unsicherheit platzt Daniel Rikus, der sich ordentlich digitalisiert findet. „Seit Corona ist das ein Allheilmittel“, bemerkt er und ergänzt: „Man hat sich gefragt, impfen oder digitalisieren.“ Hinter der Zuspitzung steckt Kritik. Aus Beobachtungen des Alltags leitet Rikus die Frage ab, ob bei aller technischen Entwicklung nicht manches Grundlegende verloren gehe.
Die Festrede bleibt der rote Faden des Abends. Als Dierkes nach Orientierung sucht, schlägt Rikus vor, einfach auf alte Abiturreden zurückzugreifen: „Schöne Worte, kein spezifischer Inhalt.“
Aus dem Zusammenspiel der beiden Darsteller entsteht viel Komik. Als Rikus empfiehlt: „Mach mal wie ein Politiker“, folgt die trockene Antwort von Dierkes: „Ich kann so schlecht lügen.“ Das Publikum quittiert solche Schlagabtausche mit hörbarem Vergnügen.
Es bleibt jedoch nicht beim Zuschauen. Die Besucher werden Teil des Programms. Auf einem Flipchart sammeln die beiden Begriffe, die mit Schule verbunden werden. Auch der Begriff Schwellendidaktik wird spielerisch zerlegt und meint einen Lehrer, der unvorbereitet vor der Klassentür steht und in den Unterricht geht.
Zwischen solchen Szenen taucht auch immer wieder die Geschichte der Schule auf. Dierkes und Rikus erinnern daran, dass in 100 Jahren nicht nur Neues entstanden sei. Manches sei auf der Strecke geblieben, wie beispielsweise nicht gegessene Butterbrote.
Zu den starken Bildern des Programms gehört eine Szene im Lehrerzimmer. Dort regiert die „schwarze Macht“ des Kaffees. An der Kaffeemaschine verwandeln sich erschöpfte Pädagogen nach dem ersten Schluck in energiegeladene Wesen, die über die Bühne tanzen.
Je länger die Suche nach der Festrede dauert, desto einfallsreicher werden die Wege dorthin. Die Suche auf YouTube führt zu einem Video des Friedrich-Spee-Gymnasiums. Erst allmählich wird klar, dass es sich um eine Schule in Trier handelt, die ihren 50. Geburtstag feierte. Der dortige Schulleiter übermittelt schließlich per Videobotschaft seine Glückwünsche zum Jubiläum in Rüthen.
Der extatische Höhepunkt folgt gegen Ende, als ein Tageslichtschreiber zum begehrten Objekt wird. Andreas Dierkes entdeckt das Gerät, nähert sich ihm zunächst vorsichtig und steigert die Begegnung zu einem ebenso skurrilen wie kunstvoll choreografierten Tanz zwischen Slapstick, Anspielung und absurder Verehrung.
Am Schluss kehren die beiden zu ihrer Ausgangsfrage zurück. Die Festrede, so die Erkenntnis, sollte weder ausufern noch in Floskeln erstarren. Wichtig sei wohl, das zu bewahren, was eine Schule geprägt hat, und diese Werte in die Gegenwart zu übersetzen.
Fotos: Tobias Neumann (FSG)















































































