„Was fliegt denn da?“

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Vogelkundliche Wanderungen rund um das FSG

Schon früh aufstehen mussten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf den drei vogelkundlichen Wanderungen am 29. März, 26. April und 3. Mai, die im Rahmen des 100-jährigen Bestehens der Schule von Biologielehrer Jan Emmerich angeboten wurden – frei nach dem Motto: Der frühe Vogel, fängt den Wurm. Natürlich stand nicht der letztgenannte Kompostbewohner im Mittelpunkt der Führungen, sondern die von uns Menschen bewunderten, gefiederten Interpreten. Dennoch war der Startzeitpunkt mit 8.00 Uhr nicht ohne Grund früh gewählt: Die tageszeitliche Gesangsaktivität der verschiedenen Vogelarten ist bekanntlich morgens am höchsten.

Im morgendlichen Gesangskonzert galt es also, den Überblick zu bewahren. Denn im Frühjahr ist Hochsaison für Vogelgesang – die Männchen verteidigen Reviere oder Buhlen um Weibchen. Dass Menschen den melodischen Gesang der Amsel oder das feierliche Lied des Rotkehlchens als schön empfinden, ist allseits bekannt und wird schon seit Jahrhunderten in Gedichten und Volksliedern gefeiert. Die Gäste dieser Führungen zeigten sich insbesondere von der aufsteigenden Tonleiter des Sommergoldhähnchens schwer beeindruckt. Auch die gekonnt vorgetragenen Flötentöne der Mönchsgrasmücke – ein Tier, das entgegen mancher Meinung nicht summend und stechend durch die Gegend fliegt – führten zu großer Begeisterung.

Auf den drei Wanderungen ging es nicht darum, das gesamte Artenspektrum der Vogelwelt Rüthens zu erfassen. Vielmehr versuchte Jan Emmerich die Gäste auf die häufigsten Interpreten in Siedlungen und Parks aufmerksam zu machen, das Gehör zu schulen und die Gesangsunterschiede kenntlich zu machen, so dass im heimischen Garten oder bei einem Waldspaziergang eine Wiedererkennung und damit ein kleines ornithologisches Erfolgserlebnis möglich wird.

Hierbei trainierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die mit ihrem Fernglas und viel Geduld die verschiedenen Vögel beobachteten, offenbar nicht nur ihre Aufmerksamkeit. Eine kanadische Studie zeigte unlängst, dass sich durch intensive Vogelbeobachtung und gesangliche Artbestimmung das Gehirn strukturell verändert und geringere Alterungserscheinungen aufweist als bei Vergleichsgruppen. Ob es für diesen Effekt wirklich das Thema Ornithologie bedarf, oder auch nur eine andauernde, intensive Beschäftigung mit einem Thema, für das man Emotionen aufbringt, sei dahingestellt.

Am Ende der Wanderungen, die jeweils im Schulpark des Gymnasiums endeten, wartete auf die Vogelinteressierten ein Blick in ein Eigenheim mit „geringer Privatsphäre“. Eine Kamera im Nistkasten, der am Chemiegebäude der Schule hängt, ermöglicht aktuell die Begleitung des Brutgeschäfts eines Blaumeisenpärchens. Das Weibchen ist seit 9 Tagen am Brüten und bereitet sich hoffentlich schon innerlich auf das Schlüpfen von vielen Küken vor. Eins ist sicher: Das Spektakel wird nicht heimlich erfolgen, sondern auf dem Großbildschirm in der Pausenhalle des FSGs live erlebbar sein.