Vortrag am FSG: „Wir sind Kinder, keine Soldaten“

You are currently viewing Vortrag am FSG: „Wir sind Kinder, keine Soldaten“

Tageszeitung “Der Patriot” vom 2. September 2022 / Paula Schulenberg

Wie sieht die allgemeine Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen in der Zentralafrikanischen Republik aus?

Dieser Leitfrage ging Olaf Derenthal am Mittwochvormittag in seinem Vortrag am Rüthener Friedrich-Spee-Gymnasium (FSG) nach.

Als Missionar des Spiritaner-Ordens ist Derenthal in der Kleinstadt Mobaye (16 000 Einwohner) im Süden der Zentralafrikanischen Republik tätig und unterrichtet an der Partnerschule des Gymnasiums Rüthen. Mithilfe einer Präsentation berichtete der gebürtige Willebadessener vom Alltag in Mobaye, dem Schulleben, vom Bürgerkrieg und seinen eigenen Erfahrungen.

Eindrücke aus der Stadt Mobaye

Im vergangenen Schuljahr kam es zur Gründung einer Schulpartnerschaft zwischen dem Rüthener Gymnasium und dem Collège Jaques Laval in der Zentralafrikanischen Republik. Angehende Abiturienten hatten bereits die Schulgemeinschaft über die Partnerschaft informiert, gemeinsam mit Mitinitiatorin und Lehrerin Birgit Schnell.

„Mbi bala mo!“, mit diesen Worten in der Amtssprache Sango der Zentralafrikanischen Republik hieß Olaf Derenthal die Schüler in der Alten Aula des Gymnasiums willkommen. Für die Schüler hatte er viele Fotos mit vielfältigen Eindrücken aus Mobaye mitgebracht. So zeigte ein Bild ein festgefahrenes Fahrzeug im Schlamm auf einer unebenen und schmalen Straße.

„Das ist die einzige Hauptstraße von Mobaye nach Bangui, der Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik“, erklärte Derenthal. 600 Kilometer trennen die beiden Städte voneinander. Für diese Strecke bräuchte er mehrere Tage.

Besonders interessant für die Schüler war die Frage: „Wie sieht der Schulalltag in Mobaye aus?“ Derenthal erklärte, dass die Schulkultur eine völlig andere sei. So starte der Schultag montagmorgens mit einem Fahnenappell und die Nationalhymne werde gesungen. Ein großes Problem sei der Lehrermangel und besonders die Situation an den staatlichen Schulen sei sehr schlecht.

Derenthal selbst ist als Lehrer an der beruflichen Realschule tätig, welche noch in ihren Anfängen stehe. Hier hätten die Schüler neben ein bisschen Mathe und Französisch auch die Möglichkeit, das Mauern, Zimmern oder Schneidern zu erlernen.

Doch gebe es noch kein Gebäude für die Realschule, welche die siebte bis zehnte Klasse umfasst. Der Unterricht fände derzeit in den Räumen der Pfarrei statt.

Derenthal stellte heraus, dass die schulische Situation für Mädchen und Frauen besonders schwierig sei. Während das Verhältnis von Mädchen und Jungen in der Grundschule noch ausgeglichen sei, nehme die Anzahl von Schülerinnen in den höheren Klassen ab. Olaf Derenthal betonte, dass die Schule nicht nur ein Ort des Lernens sei, sondern auch das gemeinschaftliche Zusammenleben besonders im Vordergrund stehe.

Der Bürgerkrieg seit dem Jahr 2012 sei fälschlicherweise schnell als Krieg der Religionen dargestellt worden. Es sei besonders, dass christliche und muslimische Schüler sowie Lehrer in der Schule im freundschaftlichen Miteinander zusammenkommen würden. Zudem führte er an, dass Bedrohungssituationen leider zum Alltag dazugehören würden und keine Seltenheit seien. Sich mit einer gepackten Tasche und Schuhen an den Füßen ins Bett zu legen, damit würden die Kinder und Jugendlichen groß werden.

So konnte im Jahr 2017 kein Unterricht stattfinden. „2017 gab es keine Schule, da wurde bei uns geschossen“, sagte Derenthal. Er habe sieben Monate als Flüchtling im Kongo verbracht.

Zum Ende seiner Präsentation hielt Derenthal ein T-Shirt hoch mit den französisch aufgedruckten Worten: „Wir sind Kinder, keine Soldaten.“ Er erläuterte, dass Kindersoldaten ein riesiges Problem darstellen würden.

Zur Schule gehen, um die Kurve zu kriegen

Rebellen würden Kinder gewaltsam entführen, sich an die Eltern wenden und diese erpressen oder Kinder würden sich aus Frustration und Wut den Rebellen anschließen. So besuchen auch ehemalige Kindersoldaten das staatliche Gymnasium mit der Erfahrung, einen anderen Menschen getötet zu haben. Umso wichtiger sei die Schule, betonte Derenthal. Sie stelle einen Ort dar, an dem die Kinder noch die Kurve in ein normales Leben kriegen können.