Studienfahrt der Q1 nach Prag

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Am Sonntagmorgen um 07:00 Uhr verließ ein Reisebus mit 41 SuS unserer Q1 gemeinsam mit Frau Önal und Herr Wachsmuth die Bushaltestelle am Schulzentrum mit Fahrtziel Prag. Ohne LKW-Kolonnen und Berufsverkehr auf den Autobahnen kamen wir gut und zügig durch. In Prag angekommen hieß es Koffer schleppen, denn Reisebusse dürfen offiziell vor „unserem“ Hotel in Prag gar nicht halten. Begrüßt vom Baulärm durch die Sanierung des Hotels checkten wir ein. Doch irgendetwas ist ja immer, und man sollte sich davon nicht die Laune verderben lassen. Die SuS erkundeten die Innenstadt und die angeschlossene Altstadt von Prag, denn diese war vom Hotel aus fußläufig gut erreichbar, da mittendrin. Am Montag folgte eine Stadtführung durch die Altstadt, die sich wirklich sehen lassen kann. Es folgte eine Bootsfahrt über die Moldau.

Dienstag fuhren wir dann ins nahe gelegene Mladà Boleslav, in dem eine Produktionsstätte von Skoda steht, eine der größten Produktionsstätten Europas. Nach dem Check-Inn, bei dem wir alle unsere gelben Warnwesten und die Transceiver bekamen fuhren wir mit dem Bus über das riesige Areal und bekamen einen ersten Einblick. Wir durften dann auch die Produktionshalle besichtigen, in der aktuell der Skoda Fabia produziert wird, so gingen wir direkt an den Produktionsstraßen entlang und konnten die Fertigung der Autos live beobachten. Immer wieder fuhren Roboter mit Materialnachschub an uns vorbei, während über unseren Köpfen z.B. die Türen der Autos entlang transportiert wurden, um just in time bei dem richtigen Auto wieder an der Produktionsstraße anzukommen. In dem angeschlossenen Museum wurde uns ein interessanter Film zur Entstehung der Automarke Skoda gezeigt und wir konnten die ausgestellten Fahrzeuge – z.B. Oldtimer aus dem frühen 20. Jahrhundert oder erfolgreiche Rally-Autos – besichtigen. Abgerundet wurde unser Museumsbesuch dann sicherlich durch die Mal-Ecke, in der sich ein paar Schülerinnen künstlerisch verwirklichten, und vorgefertigte Bilder ausmalten.

Wieder in Prag ging es ab auf die Bowling-Bahnen – die Pins hatten nichts zu lachen, wir hingegen schon.

Am Mittwoch gab es einen deutlich ernsteren Programmpunkt, der Besuch des ehemaligen Ghettos Theresienstadt. Von November 1941 bis Mai 1945 war die Festung und Garnison Theresienstadt Teil des Holocaust. Der Begriff „Ghetto“ war dabei ein Tarnname, da Ghettos von den meisten Menschen als Wohnort verstanden wurden, in diesem Fall primär für Juden. Doch spätestens nach der Wannseekonferenz Anfang 1942 wurde Theresienstadt von den zentral Verantwortlichen NSDAP-Politikern und ranghohen SS-Männern wie Reinhard Heydrich als „Sammel- und Durchgangslager“ verstanden und so genutzt. Als größtes Lager in der ehemaligen Tschechoslowakei konnten die NS-Täter von Theresienstadt aus viele Menschen weiter in das Generalgouvernement (die besetzten Teile von Polen, die nicht direkt annektiert worden waren) und die dortigen Vernichtungslager deportieren. Da auch drei Rüthener Bürgerinnen und Bürger jüdischen Glaubens dieses Schicksal ereilte – namentlich Albert Stern, Mathilde Ruthenburg und Clara Weiss – gab es für die SuS auch einen direkten Bezug zwischen Theresienstadt und ihrer Heimat Rüthen. Vor Ort konnten wir einen Teil des Propagandafilms sehen, der in Theresienstadt gedreht wurde, als das internationale Rote Kreuz, alarmiert durch Gerüchte und Fotos, die NS-Herrschaft dazu bringen konnte, die Zustände im Lager zu überprüfen. Während die Beobachter vom Roten Kreuz und ein paar internationale Journalisten vor Ort waren, gab es ein Fußballspiel zwischen Häftlingen und Wärtern, und in dem vorher extra aufgehübschten Areal durften die Beobachter mit Häftlingen sprechen, die ihre vorher auswendig gelernten Sätze aufsagten: „Es geht mir gut hier in Theresienstadt. Es fehlt mir hier an gar nichts“. Bei der anschließenden Führung durch die kleine Festung wurde den SuS dann sehr anschaulich gezeigt, wie der reale Alltag in dem Ghetto Theresienstadt aussah. Wieder zurück in Prag genossen wir alle den letzten Abend. Auf der Rückreise hatten wir wieder Glück im Verkehr und kamen alle wohlbehalten in Rüthen an.