Bundeskanzler Friedrich Merz zu Besuch an seiner alten Schule

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Tageszeitung „Der Patriot“ vom 5.10.2026 / Dominik Friedrich und Sarah Bsdurek

Sonntag Kiew. Drohnenalarm, russische Angriffe, Gespräche über Waffen und Milliardenhilfen. Montag Rüthen. Alte Schule, alte Weggefährten, Abitur-Erinnerungen. Dazwischen: kaum mehr als eine Nacht. Viel größer könnte der Kontrast kaum sein. 

Gerade noch steht Friedrich Merz (70) mitten in einem Krieg, der über Europas Sicherheit entscheidet. Zu Hause wartet eine Regierung in der Krise. Und trotzdem fährt der Bundeskanzler am Montagmorgen nach Rüthen. Zurück an den Ort, an dem sein eigener Weg einmal begann. Kiew, Kanzlerkrise, Klassenzimmer. Mehr Spannweite passt kaum in diesen besonderen Montagmorgen in Rüthen.

Um 9.30 Uhr rollt der Konvoi auf das Gelände des Friedrich-Spee-Gymnasiums. Lauter Applaus von den Schülern. Bürgermeister Peter Weiken, Beigeordneter Hubert Betten und Schulleiter Heinfried Lichte nehmen Merz in Empfang. Seine Frau Charlotte ist ebenfalls dabei. Shakehands hier, eine Umarmung dort, bekannte Gesichter. Schnell bekommt der hohe Besuch etwas von einem Heimspiel.

Auch außerhalb des von zahlreichen Polizeikräften bewachten Schulgeländes ist die Neugier groß. Zahlreiche Zaungäste, darunter auch ganz kleine aus dem gegenüberliegenden Montessori-Kinderhaus Arche, wollen einen Blick auf den Kanzler erhaschen. Und selbst politischer Protest kommt an diesem Morgen eher augenzwinkernd daher. Die Mutter eines Schülers aus einem SPD-nahen Haushalt verrät schmunzelnd, ihr Sohn habe morgens unbedingt rote Socken und ein rotes T-Shirt anziehen wollen. Ein kleines farbliches Statement zum Besuch des CDU-Kanzlers.

Merz selbst macht von Beginn an deutlich, dass ihm dieser Ort etwas bedeutet. „Ich habe mich hier ausgesprochen wohl gefühlt“, sagt er bei seiner Begrüßung auf dem Schulhof. Von 1971 bis 1975 fuhr er jeden Morgen mit dem Bus von Brilon nach Rüthen. Mit seinen damaligen Mitschülern hat er noch immer Kontakt, im vergangenen Jahr feierte die Stufe ihr 50-jähriges Abitur-Jubiläum. Den Schülern gibt er mit auf den Weg: „Genießt die Zeit, tut etwas für euer Leben, lernt ordentlich – macht es ein bisschen besser als ich.“ Womit Merz auf seine Abi-Note anspielte, die er zwar im Tresor unter Verschluss hält, die aber irgendwo zwischen 3,5 und 4 liegen soll.

Dann schlägt der Siebzigjährige selbst die Brücke zum Vortag. Erst am Morgen sei er aus Kiew zurückgekehrt. Dort gebe es Millionen Kinder, „die gerne so wie wir in Frieden und in Freiheit leben würden“. Seine Botschaft in der Ukraine sei gewesen: „Wir helfen euch, dass Frieden und Freiheit zurückkommen.“

Frieden, Freiheit, Demokratie, gute Schulen – all das sei nicht selbstverständlich. Und Merz wird persönlich. Er sei relativ spät in dieses Amt gekommen. „Aber ich mache es, weil ich etwas tun möchte für euch, damit auch ihr die Chance habt, in diesem tollen Land in Frieden und Freiheit zu leben.“ Sein Appell an die Schüler: „Tut etwas für unser Land, tut etwas für euch.“ 

Bundeskanzler Friedrich Merz trägt sich im Beisein von Bürgermeister Peter Weiken ins Goldene Buch der Stadt Rüthen ein. – Foto: Bundesregierung/Tobias Koch

Es folgt im FSG-Anbau fast unbemerkt der Eintrag ins Goldene Buch. Dann geht es zum Sound des Schulorchesters in die voll besetzte Alte Aula. In der ersten Reihe sitzen unter anderem Landrat Heinrich Frieling, Landtagsabgeordneter Jörg Blöming, Bundestagsabgeordneter Oliver Pöpsel sowie die Rüthener Ratsfraktionsvorsitzenden. Auf der Bühne erwarten die vier Schülervertreter Luisa Enders, Stella Grass, Tudor Vartolomei und Moritz Grofe den Kanzler zum Gespräch.

Und dort zeigt sich Merz noch einmal anders. Er legt sein Sakko ab, lehnt sich zurück und erzählt. Ein Kameramann einer großen Nachrichtenagentur, der den Kanzler regelmäßig begleitet, kommentiert das später auf dem Weg zum Auto. „Der war heute irgendwie anders“, sagt er. Wirklich? „Nein, war er nicht. Aber er hat die Jacke ausgezogen. Wenn er das macht, fühlt er sich wohl.“ Eine kleine Beobachtung, die ziemlich gut zu diesem Vormittag passt. Merz wirkt gelöst, nahbar, interessiert. Man merkt ihm an: Solche Termine liegen ihm. Und dieser ganz besonders. Eigenmächtig verlängerte er den Auftritt in der Aula sogar um einige Minuten.

Im Gespräch mit den Schülervertretern blickt er dabei auf einen keineswegs geradlinigen Schulweg zurück. 1971 kam er aus der Nachbarstadt (Merz: „Das Gymnasium Brilon und ich waren der Meinung, dass wir nicht so gut zueinander passen“) nach Rüthen, um die zehnte Klasse zu wiederholen. Vor allem Mathematik hatte ihm Schwierigkeiten bereitet. Ausgerechnet Mathe und Physik wurden am damaligen Aufbaugymnasium schließlich zu seinen Lieblingsfächern. Ein Lehrer habe ihm die Freude an Mathematik vermittelt – obwohl dieser nach Merz’ Erinnerung „80 bis 100 Zigaretten am Tag“ rauchte.

Auch sein späterer Weg war damals keineswegs vorgezeichnet. Medizin, Physik und Nachrichtentechnik seien Optionen gewesen. Schließlich entschied er sich – auch wegen der Numerus-clausus-Regeln – für Jura. Bereut habe er diese Entscheidung nie.

Nach dem ersten Wortwechsel müssen die Journalisten die Aula verlassen. Das Gespräch mit den Schülern geht ohne Öffentlichkeit weiter. Endlich mal kurz Zeit zum Durchatmen. Freitag Friedenspreis in Münster, Samstag Tag der Deutschen Einheit in Bremen, Sonntag Kiew, Montag Rüthen. Direkt vom FSG geht’s um 11 Uhr in der Dienstlimousine zum Flughafen. Nächste Station: Berlin. Dort empfängt er am Nachmittag den litauischen Premierminister Mindaugas Sinkevičius mit militärischen Ehren.

Ein Kanzler im Dauerlauf. Für gut eine Stunde aber ist Friedrich Merz am Montagmorgen nicht nur Bundeskanzler, sondern auch wieder ein bisschen der Mann, der einst jeden Morgen mit dem Bus von Brilon nach Rüthen kam. Er fühlt sich hier offenbar noch immer wohl. Das abgelegte Sakko ist der beste Beweis.

Kanzler Merz kehrt ans FSG Rüthen zurück – so reagieren die Schüler

„Wie lange dauert’s noch?“, war am Montagmorgen wohl die meistgestellte Frage auf dem gut gefüllten Schulhof des Friedrich-Spee-Gymnasiums (FSG). Aufgeregt warteten die Schüler auf die Ankunft von Bundeskanzler Friedrich Merz, der an seine ehemalige Schule zurückkehrte.

Auf dem Weg durch das Schülerspalier bleibt der Kanzler immer wieder stehen, schüttelt Hände und führt kurze Gespräche. So auch mit der zehnjährigen Mara Storck aus der Klasse 5b. Sie spricht mit ihm über ihr Lieblingsfach Sport und stellt ihm die Frage, wie er aus der Ukraine so schnell wieder nach Deutschland gekommen sei. Merz erklärt, dass er zunächst mit dem Zug im Schlafwagen und anschließend mit dem Flugzeug weitergereist ist. 

Dass ein Bundeskanzler zum Anfassen nah sein kann, erleben die Gymnasiasten an diesem Vormittag. So auch Caspar Farke und seine Freunde aus der Q2. „Er hat einen kräftigen Händedruck und ist sehr präsent, der Mann. Aber leider Dortmund-Fan“, lautet ihr Resümee über die Begegnung.

Caspar durfte Friedrich Merz später auch in der Alten Aula miterleben. „Auf den ersten Blick wirkte er wie eine Wachsfigur“, beschreibt er das Eintreten des Kanzlers. „Es war sehr aufregend und mit der ganzen Presse im Raum wurde es immer lauter.“

Moritz Grofe hatte „die Ehre“, Fragen zu stellen, die zuvor aus allen Klassen zu den Themen Schullaufbahn, Werdegang und Bundeskanzleramt gesammelt worden waren. „Ich war sehr aufgeregt, aber als wir auf der Bühne saßen, war das sofort weg“, beschreibt er seine Erfahrung. Es sei ein Privileg gewesen, dort oben mit dem Kanzler zu sitzen, und „ich bin glücklich und stolz, dass ich das machen durfte“.

Noch persönlicher wurde es anschließend bei der Aufnahme des Schulpodcasts „Stimmen aus 100 Jahren FSG“. Die beiden Schülerinnen aus der Q2, Leni Voß und Amelie Schwerm, führten das Gespräch.

Die Vorbereitung und vor allem die Tatsache, dass sie mit dem Bundeskanzler zusammensitzen würden, seien lange ein sehr präsentes Thema gewesen. Die Atmosphäre während des Gesprächs beschreiben sie als angenehm, aber auch etwas unnatürlich mit den vielen beobachtenden Reportern im Raum. In der Podcastfolge spricht Merz unter anderem darüber, wie ihn seine Schulzeit geprägt hat und wie er jungen Menschen Vertrauen in die Politik vermitteln möchte – zu hören auf Spotify.

Große Erleichterung beim Bürgermeister

Während die Schülerinnen und Schüler viele besondere Eindrücke mit nach Hause nehmen, endet für Stadtverwaltung und Schule ein außergewöhnlicher Tag.

„Es ist eine große Erleichterung, dass alles gut über die Bühne gegangen ist“, freut sich Bürgermeister Peter Weiken, nachdem die Limousine des Bundeskanzlers das Schulgelände verlassen hat. Rüthen habe sich von der besten Seite gezeigt und es sei ein sehr angenehmer Termin gewesen. „Es geht um die Ehre, die Rüthen durch den Besuch zuteilwurde. Das macht mich stolz und wir hatten ja auch einige Zaungäste“, so der Bürgermeister weiter.

Auch Schulleiter Heinfried Lichte zieht ein positives Fazit: „Alle organisatorischen Abläufe sind nahezu aufgegangen“. Dass Merz gekommen sei, zeige, welchen Stellenwert er der Schule beimesse.

Weitere Links zur Berichterstattung in bundesweiten Medien:

Zeit:

https://www.zeit.de/news/2026-10/05/warum-das-abi-zeugnis-des-kanzlers-unter-verschluss-ist

Handelsblatt:

https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/kanzler-zurueck-in-der-schule-merz-an-seiner-alten-schule-macht-ein-besseres-abi-als-ich/100259642.html

Frankfurter Rundschau:

https://www.fr.de/politik/merz-besucht-alte-schule-abiturnote-bleibt-geheim-zr-94524666.html

RND:

https://www.rnd.de/politik/von-kiew-zurueck-ins-sauerland-merz-besucht-sein-altes-gymnasium-DFNRR7A5NFABFGPMQ7U6VNJNFU.html

Stern:

https://www.stern.de/politik/deutschland/kanzler-zurueck-in-der-schule–merz-an-seiner-alten-schule–macht-ein-besseres-abi-als-ich-38348460.html

WDR:

https://www1.wdr.de/politik/politik-in-nrw/merz-besucht-gymnasium-ruethen-108.html

WDR Lokalzeit Südwestfalen:

https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/lokalzeit-suedwestfalen/kanzler-merz-besucht-friedrich-spee-gymnasium-in-ruethen-100.html

SAT1 NRW:

https://sat1nrw.de/beitrag/nostalgie-am-gymnasium-kanzler-besucht-alte-schule-261005

RTL:

https://www.rtl.de/news/warum-bundeskanzler-friedrich-merz-sein-abi-zeugnis-unter-verschluss-haelt-id31380302.html

Hellweg Radio:

https://www.hellwegradio.de/artikel/merz-besucht-sein-altes-gymnasium-in-ruethen-2771650

Radio Sauerland:

https://www.radiosauerland.de/artikel/kanzler-merz-besucht-seine-alte-schule-2773232

Neue Westfälische:

https://www.nw.de/nachrichten/nachrichten/24433417_Bundeskanzler-Merz-besucht-sein-altes-Gymnasium-im-Sauerland.html

Sauerlandkurier:

https://www.sauerlandkurier.de/nordrhein-westfalen/kanzler-merz-besucht-seine-alte-schule-im-kreis-soest-zweite-chance-94525039.html

Soester Anzeiger:

https://www.soester-anzeiger.de/lokales/kreis-region/kanzler-merz-besucht-seine-alte-schule-im-kreis-soest-zweite-chance-94524734.html

Die Glocke:

https://www.die-glocke.de/regionales/artikel/von-kiew-ins-sauerland-kanzler-merz-besucht-sein-altes-gymnasium-1791202804