Die Hanse-Challenge 2026 begeistert Rüthener Grundschüler und Gymnasiasten
„Wo kommt der Marktplatz hin?“ oder „Wir brauchen noch eine Stadtmauer!“, sind nur zwei Sätze, die am vergangenen Mittwoch zu hören waren. Und schon beim Betreten der Alten Aula ist klar: Hier findet heute Unterricht der anderen Art statt. Ein fröhliches Gewusel erfüllt die Alte Aula des Friedrich-Spee-Gymnasiums, in der ein aufgeregtes Stimmengewirr herrscht, sich über Geschichte und Lego ausgetauscht wird und man in vielen Gesichtern leuchtende Kinderaugen sieht. Und das hat auch einen Grund: 30 Kinder aus den Grundschulen Oestereiden, Sichtigvor und Rüthen sowie vom FSG nehmen derzeit an der „Hanse-Challenge 2026“ teil, dem Pilotprojekt eines Schulnetzwerkes bestehend aus dem FSG Rüthen, dem Soester Archigymnasium und der Fürstenbergschule in Ense, welches Hanse-Geschichte, Kreativität und Zukunftskompetenzen auf ganz besondere Weise miteinander verbindet.
Spurensuche in der Hanse-Zeit – mit Lego
Im Mittelpunkt der ersten Staffel steht die kreative Auseinandersetzung mit der Hanse-Zeit. Ziel ist es, dass sich die Kinder intensiv mit den Themen Rohstoffe, Handel, Siedlungsbau sowie Alltag, Kindheit und Spiele im Mittelalter beschäftigen. Und wie gelingt das am besten? Mit 12 Kilogramm Lego pro Team! Diese beeindruckende Menge stammt aus dem Lebertigo Museum – einem Aktionsmuseum in Winterberg, das sich ganz der kreativen Arbeit mit Lego verschrieben hat. Als die schweren Boxen geöffnet wurden, war die Stimmung kaum zu toppen: Es fühlte sich an wie ein vorgezogenes Weihnachtsfest. Staunen bei so viel Lego, aufgerissene Augen, begeisterte Ausrufe – und dann sofort: planen, bauen und ausprobieren. So wachsen mit beeindruckender Kreativität in den Teams zwischen bunten Steinen und Bauplänen nicht nur kleine Hansestädte, mittelalterliche Handels- und Alltagszenen, sondern auch Selbstvertrauen, Teamgeist und historische Neugier.
Rüthen und die Hanse – eine Stadt im Handelsnetz
Dass gerade Rüthener Kinder sich mit der Hanse beschäftigen, ist kein Zufall. Die Stadt Rüthen war im Mittelalter Mitglied der Westfälischen Hanse. Als befestigte Stadt mit strategisch günstiger Lage am Hellweg spielte Rüthen als Vorort zu Soest eine Rolle im regionalen Handelsnetz. Für eine kleinere Stadt wie Rüthen bedeutete die Hanse Zugehörigkeit zu einem starken Wirtschaftsverbund – ein früher Schritt in Richtung europäischer Vernetzung. Diese historischen Wurzeln werden nun von den Kindern durch das Netzwerk der drei „Hanse-Schulen“ neu entdeckt – Stein für Stein.
Bewertung in Soest – große Bühne für kleine Baumeister
In zwei Wochen werden die entstandenen Bauwerke im Rahmen des Wettbewerbs vor einer Jury in Soest präsentiert. Dort treffen die Rüthener Teams auf weitere teilnehmende Schulen rund um das Archigymnasium Soest sowie die Fürstenberg-Grundschule aus Ense. Die Ausstellung der Werke im Blauen Saal der Stadt Soest wird dann zu einem besonderen Moment – nicht nur, weil die Kinder ihre Projekte präsentieren dürfen, sondern weil sie erleben, wie vielfältig Geschichte kreativ umgesetzt werden kann.
Mehr als Lego: Was bedeutet Maker-Kultur?
Doch die Hanse-Challenge endet nicht mit der Bewertung. Als Preis soll in einem zweiten Schritt die Hanse mittels Projekten aus der digitalen Maker-Kultur aus heutiger Sicht (wieder-)entdeckt werden. Denn ähnlich wie früher die Hanse bedeutet auch die heutige Maker-Kultur: selbst gestalten, tüfteln, ausprobieren, Probleme kreativ lösen und eigene Ideen umsetzen – mit digitalen Werkzeugen, Technik, Robotik, 3D-Druck oder Programmierung. Im Rahmen von sogenannten „Makethons“ und Workshops lernen die Kinder, wie man historische Themen mit moderner Technik verbindet. So entsteht eine Brücke von der Hanse-Zeit in die Gegenwart – und vielleicht sogar in die Zukunft von Soest und Rüthen.








