Rüthener Gymnasiasten nehmen ein Jahrhundert Schule unter die Lupe

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Tageszeitung „Der Patriot“ vom 29.12.2025 / Marcus Kloer

Das Rüthener Gymnasium blickt im kommenden Jahr auf sein 100-jähriges Bestehen. Dieses besondere Jubiläum wirft bereits jetzt seine Schatten voraus – mit verschiedenen geplanten Aktionen, an denen die gesamte Schulgemeinschaft beteiligt ist.

Besonders engagiert sind dabei auch Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe Q1, die sich im Rahmen einer Arbeitsgruppe intensiv mit der Schulgeschichte beschäftigen und noch auf der Suche nach Material, Dokumenten und Zeitzeugen für ihre Nachforschungen sind.

Der Auftakt zu den Jubiläumsaktivitäten ist bereits geschehen: Vor einigen Wochen fand ein Sponsorenlauf statt. Weitere Programmpunkte folgen im Laufe des Schuljahres, darunter Musik, kulturelle Veranstaltungen und eine Projektwoche im Juni. Ein besonderes Highlight ist außerdem das Ehemaligentreffen, das der Verein der Ehemaligen, Eltern und Freunde im September organisiert.

Geschichte im Stundenplan verankert

Passend zum Schuljubiläum hat sich am Friedrich-Spee-Gymnasium auch die oben genannte Arbeitsgruppe gebildet, die, angelehnt an den Geschichtsunterricht, einen festen Platz im Stundenplan erhalten hat. Geleitet wird der Kurs von den Lehrerinnen Monika Pickmeier und Verena Böger. Seit Beginn des Schuljahres arbeiten die Q1-Schülerinnen und -Schüler in mehreren Gruppen an unterschiedlichen historischen Schwerpunkten der Schulgeschichte. Die Ergebnisse sollen Anfang Juni im Rahmen der Projektwoche vorgestellt werden.

Blick in die NS-Zeit und auf Prüfungen

Eine Gruppe setzt sich mit dem Nationalsozialismus an der Schule auseinander. Untersucht wird unter anderem, welche Unterrichtsfächer es damals gab. Dabei stellten die Schülerinnen fest, dass die Fächerstruktur der heutigen ähnelt, Inhalte jedoch stark von der NS-Ideologie geprägt waren. Hitler, nationalsozialistische Literatur und eine positive Darstellung der Regierung spielten eine zentrale Rolle.

Für ihre Recherchen arbeiteten Cassandra Luse und Fjona Hoxha auch im Stadtarchiv Rüthen sowie mit Materialien aus dem Schulmagazin.

Caspar Farke widmet sich den Abiturprüfungen vergangener Zeiten. Er möchte herausfinden, ob diese früher leichter oder schwerer waren und welche Unterschiede es im Vergleich zu heute gab.

Schulgründung und die Anfangsjahre

Eine weitere Gruppe beschäftigt sich mit der Zeit der Schulgründung und dem Thema Koedukation. Im Fokus steht die Frage, wie viele Mädchen und junge Frauen damals das Gymnasium besuchten. Auch hier wurden Quellen im Stadtarchiv ausgewertet. Zusätzlich wurde die Gründungsgeschichte der Schule beleuchtet. Dabei zeigte sich, dass das Schulgebäude bereits vor 1926 bestand und zunächst als Aufbauschule genutzt wurde.

Flüchtlinge und Integration im Wandel

Ein eigener Arbeitskreis untersucht die Integration von Flüchtlingen an der Schule im historischen Überblick. Thematisiert werden unter anderem Spätaussiedler, für die es zeitweise das Fach Russisch gab, sowie vietnamesische Flüchtlinge, die sogenannten „Boatpeople“. An sie erinnert ein Mahnmal im Schulpark. Viele von ihnen lebten damals im Wohnheim nahe des Gymnasiums. Auch neuere Fluchtbewegungen, etwa aus Afghanistan, Syrien oder aktuell aus der Ukraine, werden betrachtet. Heute nehmen geflüchtete Schülerinnen und Schüler am Klassenunterricht teil und werden im Fach Deutsch als Zweitsprache unterrichtet.

Unterrichtsfächer und Abiturreden

Eine weitere Gruppe analysiert die Entwicklung der Unterrichtsfächer seit den 1920er-Jahren. Dazu wurden Schulbücher im Stadtarchiv und im Schulmagazin gesichtet. Außerdem untersuchen die vier Schülerinnen Abiturreden aus verschiedenen Jahrzehnten und sind besonders noch auf der Suche nach Reden aus den Anfangsjahren der Schule zwischen den 1930er- und 1950er-Jahren.

Podcast-Projekt mit Zeitzeugen

Leni Voß und Amelie Schwerm haben sich vorgenommen, ehemalige Schüler und Lehrer kennenzulernen und ihre Erinnerungen in einem Podcast festzuhalten. Besonders Zeitzeugen älterer Generationen werden noch gesucht. Neben allgemeinen Fragen zur Schulzeit sollen auch prägende Epochen wie die Corona-Zeit thematisiert werden.

Öffentliche Präsentation und Einladung an Zeugen

Anfang Juni werden alle Arbeitsergebnisse im Rahmen einer Abendveranstaltung mit dem ehemaligen Schulleiter Dr. Hans-Günter Bracht vorgestellt. Nach den Präsentationen ist eine offene Gesprächsrunde vorgesehen. Die Veranstaltung ist öffentlich.

Zeitzeugen, die ihre Erinnerungen teilen oder Unterlagen zur Verfügung stellen möchten, können sich telefonisch über das Schulsekretariat, (0 29 52) 15 83 oder per E-Mail an schuljubilaeumfsg@web.de melden.

Foto: Marcus Kloer