Bild 200 Zeitgemäße Aufführung des „Nathan der Weise“ 

Theaterensemble Essen-Süd zu Gast am FSG

»Was heißt denn Volk? Sind Christ und Jude eher Christ und Jude, als Mensch? Ah! Wenn ich einen mehr in Euch gefunden hätte, dem es genügt, ein Mensch zu heißen!«
(Nathan zum Tempelherrrn). Dass nicht nur dieses Zitat aus dem Drama »Nathan der Weise« von Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781) bis heute in Sachen Religionszugehörigkeit, Toleranzgedanken und Humanität nichts von seiner Aktualität verloren hat, erlebten 185 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe Q1 in einer zeitgemäßen und interessanten Inszenierung des Theaterensembles Essen-Süd am Mittwoch, 15. Januar, in der alten Schulaula am Friedrich-Spee-Gymnasium in Rüthen.

Möglich wurde die Aufführung des lehrplanrelevanten - und 1778 im Rahmen des sogenannten „Fragmentenstreits“ entstandenen - Dramas Lessings, eines der zentralen Werke der deutschen Aufklärung, auf Initiative der Deutschlehrerin Marion Schniedermeier sowie ihrer Fachschaft am FSG, zu der auch die Deutschkurse der Koop-Schule des Europagymnasiums Warstein eingeladen waren. Und so folgten am Mittwoch in der dritten und vierten Unterrichtsstunde 185 gespannte Augenpaare der 90-minütigen Inszenierung in der bis auf den letzten Platz vollbesetzten Schulaula, die sämtliche Hauptrollen des Dramas mit lediglich drei Schauspielern und einem minimalistischen Bühneninterieur in beeindruckender Weise umsetzte.

Das Drama Lessings spielt zur Zeit der Kreuzzüge in Jerusalem und beschreibt in aufklärerischer Weise die Hoffnung friedlicher Solidarität zwischen Juden, Christen und Moslems auf der Basis von Vernunft und praktischer Humanität als Maß jeder Religion.

Kurz zum Inhalt: Die Klugheit des jüdischen Kaufmanns und Protagonisten Nathan hat ihm im Volk den Beinamen „der Weise“ verschafft. Daher stellt der Sultan Saladin ihn auf die Probe und überrascht ihn mit der Frage, welcher der rechte Glaube sei: der christliche, der jüdische oder der islamische. Nach einer kurzen Bedenkzeit antwortet Nathan mit der „Ringparabel“, dem Kernstück des Dramas, und macht darin in anschaulicher Weise deutlich: Alle Religionen sind gleich vor Gott und müssen den Wert ihrer Religion durch praktisches Tun und Liebe ohne Vorurteile beweisen. Demnach sollten Religionen – nicht nur nach Auffassung Lessings - nicht danach bewertet werden, was sie dogmatisch zu sein behaupten, sondern danach, was sie für das Wohl, den Frieden und die Bildung der Menschen bewirken. Im Sinne eines gelingenden und friedvollen Miteinanders verschiedener Religions- und Bevölkerungsgruppen ein noch (oder gerade) heute geltendes humanistisches Postulat, wie die Schülerschaft im anschließenden Gespräch mit den Schauspielern feststellte.

Fotos: FSG Rüthen (Tobias Neumann)

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