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Tageszeitung "Der Patriot" vom 28.10.2020 / Hannah Löseke

Der Stoff, aus dem Geschichten werden

Kinderkrimi-Autorin aus dem Sauerland besucht FSG

Anne Martini ist schon ein bekanntes Gesicht am Rüthener Gymnasium: Nachdem sie im letzten Jahr ihren Kinderkrimi „Hannes und das Geheimnis am Borberg“ herausgebracht hat, war sie für eine Lesung zu Gast. Ein Schreibworkshop ist jetzt allerdings nicht nur für die Kinder eine Premiere, sondern auch für die Autorin.

Aber er passt eben super in die Veranstaltungsreihe Kulturherbst „Speezial“, die durch ein Förderprogramm des Literarischen Colloquiums Berlin gefördert wird und namhafte Künstler nach Rüthen lockt.

Und heute kommen die Kleinen auf ihre Kosten: Jetzt die 6b und die 6c im Schreibworkshop, gleich die Stufe fünf zur Lesung und anschließend die 6a, nochmal zum Schreibworkshop.

„In meinem Erstleben war ich auch mal Lehrerin“, erzählt Anne Martini. Als Religionspädagogin hat sie früher vor allem in Grundschulen Religion unterrichtet, deshalb ist ein Schreibworkshop gar nicht so fern. Ihr geht es heute aber gar nicht um all das Strukturelle, das die Kinder auch im Unterricht lernen, sondern viel mehr um Emotionen, Gefühle und wie man „Speck dran kriegt“.

Dafür ist im Unterricht oft nicht so viel Zeit – und hier sitzt dazu die Crème de la Crème – die, die richtig Lust aufs Schreiben haben. Erstmal möchte sie aber wissen, was die Kinder überhaupt von dem Schreibworkshop erwarten. Das sprudelt nur so aus ihnen heraus: Laura und Paulina möchten lernen, wie sie spannender schreiben können; Flora findet es dagegen ganz spannend, zu wissen, wie eine Autorin überhaupt ein Buch schreibt. Luise interessiert der richtige Aufbau einer Geschichte, Lia möchte ausführlicher schreiben können.

Also widmen sich die Schreiberlinge erst einmal Hannes, Julius und Charlotte, den drei Briloner Freunden aus Anne Martinis Kinderkrimi, die in Kapitel sieben Pläne fürs Wochenende schmieden. Aber erst einmal: Fenster auf. Schließlich sind gerade besondere Zeiten und die wirken sich auch auf so einen Schreibworkshop aus, in dem zudem alle mit Maske sitzen.

Anne Martini nimmt sie nur ein Mal ab, als sie aus ihrem Buch vorliest. Nachdem sie das Kapitel erst als Hörbuch und dann in echt vorgelesen bekommen haben, überlegen sie gemeinsam mit der Autorin: Spannend wird’s durch die Emotionen, die vermittelt werden und durch das, was man über die Kinder erfährt. Dabei stehen die Gefühle aber gar nicht immer explizit im Text, man liest sie vielmehr aus den Formulierungen heraus. Und das aufzuschlüsseln, das ist gar nicht so einfach. Daraus, dass sich Hannes vor der Schule vorbildlich fertig macht, erkennen die Sechstklässler, dass er voller Vorfreude und Aufregung steckt. Als Julius später so gar nicht zuversichtlich ist und seinen Papa vermisst, weil er ihn als Scheidungskind die ganze Woche nicht sehen kann, erkennen sie, dass er traurig ist. Sie stellen fest: Mit der Gestik und Mimik der Figuren, ihrem Körperausdruck und ihrer Handlung, aber auch mit Verben und Adjektiven, wörtlicher Rede und der Situation samt Wetter, Natur, Orten und der Tageszeit und sogar durch ihre Namen wird eine Geschichte zu dem, was sie ausmacht.

Und der Autorin, die früher in Brilon gelebt hat und jetzt in einem Dörfchen bei Attendorn wohnt, ist es ganz wichtig, dass ihre Kinder echt sind und Emotionen haben, die auch ihre Leser nachvollziehen können. Aber was nützt reines theoretisches Wissen, wenn es nicht angewendet wird?

Schüler schreiben eigene Geschichten

Also dürfen sich die kleinen Nachwuchsautoren am Ende auch selbst ausprobieren: Anne Martini hat neun verschiedene Biografien von Kinderfiguren mitgebracht, aus denen sie eine Geschichte schreiben sollen. Das Thema? Die Herkunft. Und die Umsetzung gelingt den Kindern richtig gut – das zeigen Maries und Mareks Beispiele, die sie am Ende vorlesen. Dafür gibt’s kräftig Applaus und viel Lob von der Autorin.

Und demnächst, da kann es sogar sein, dass einige Texte auf dem Poesiepfad entlang der Rüthener Stadtmauer ausgestellt werden.

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