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Mauer, Stasi, Platte, Trabi ...

FSG-Abiturienten erkunden die Geschichte der ehemaligen DDR

EU-Außengrenzen, eine Mauer an der Grenze zwischen Mexiko und den USA, … – Die Diskussion um effektive und undurchlässige Grenzen ist heute aktuell wie schon lange nicht mehr. Was es aber konkret bedeutet, innerhalb einer solchen Grenze leben zu müssen, haben 33 Abiturienten des Friedrich-Spee-Gymnasiums auf ihrer viertägigen Studienreise nach Berlin, die zum jährlichen Angebot der Schule für den Jahrgang Q2 gehört, erfahren können.

Im sogenannten „Tränenpalast“ dem ehemaligen Grenzbahnhof Friedrichstraße, der vom Volksmund seinen Namen wegen der oft tränenreichen Abschiedsszenen erhielt, lernten die Schülerinnen und Schüler das perfide System der DDR-Grenzkontrollen kennen, bei denen mit Einschüchterung und Willkür gearbeitet wurde. Auch Einzelschicksale von Menschen, die die DDR verlassen wollten, begegneten ihnen hier auf eindrückliche Art und Weise. Zum Beispiel lernten sie die Geschichte eines 17jährigen kennen, der sich am Tag vor dem Mauerbau zufällig in Westberlin aufhielt und sich entschied, dort zu bleiben und nicht in die DDR zurückzukehren, was aber eine ungewisse Zukunft für ihn und eine jahrzehntelange Trennung von Familie und Freunden bedeutete.

Von noch schwereren Schicksalen erfuhren die Schülerinnen und Schüler am Tag darauf an der Bernauer Straße. Dort steht noch ein Teil der Berliner Mauer im Originalzustand. Das „Fenster des Gedenkens“ zeigt die knapp 140 Opfer, die am oder im Todesstreifen der Berliner Mauer starben – von kleinen Kindern bis zu Senioren. Detailliert erläuterten die Referenten der „Gedenkstätte Berliner Mauer“ den Aufbau: Hinterlandmauer, langnageliger „Stalin-Rasen“, Postenweg, Signalzaun, Wachttürme, Sperrmauer. Wer trotzdem durchzukommen drohte, sollte per Schießbefehl an der Flucht gehindert werden, auch Frauen und Kinder seien nicht zu schonen.

Mit dem „Ministerium für Staatssicherheit“, der Institution, die hinter den Grenzkontrollen stand, beschäftigten sich die Schülerinnen und Schüler besonders intensiv. In Berlin-Lichtenberg besuchten sie die ehemalige MfS-Zentrale und erfuhren von Zeitzeugen, dass über 250 000 offizielle und inoffizielle Mitarbeiter in der DDR die Aufgabe hatten, die Bevölkerung flächendeckend zu überwachen und zu kontrollieren. Das Arbeitszimmer von Minister Erich Mielke, Spionage- und Überwachungstechnik, aber auch die systematische Bespitzelung von Kindern und Jugendlichen sowie Oppositionellen waren Themen des zweistündigen Besuchs. Beim anschließenden Programmpunkt, dem Stasi-Untersuchungsgefängnis Hohenschönhausen sahen die Schülerinnen und Schüler, was es bedeutete, wenn man eine Meinung vertrat, die dem DDR-Regime nicht passte: Isolationshaft, Schlafentzug, Wärme- und Kältezellen. Psychische Folter war das Mittel der Wahl für die Stasi um von den Inhaftierten Geständnisse zu erpressen.

Dass all dies kein „Schnee von gestern“ ist, sondern auch noch 30 Jahre nach dem Mauerbau viele Menschen beschäftigt und aufgearbeitet werden muss, erfuhren die Abiturienten zum Abschluss in der Stasiunterlagenbehörde. Bildungsreferentin Bettina Altendorf gewährte den Schülerinnen und Schülern einen Blick in die aufwändige Arbeit der Behörde. Die Entschlüsselung des Ordnungssystems des MfS, das über 100 Regal-Kilometer an Akten hinterlassen hat, die Auswertung der Unterlagen und auch die Wiederherstellung zerstörter Akten gehören zu ihren wesentlichen Aufgaben. Denn auch heute noch gehen jährlich mehrere tausend Einträge auf Akteneinsicht ein, deren Bearbeitung mehrere Jahre dauern kann.

Trotz der bedrückenden Thematik machten sich die Schülerinnen und Schüler nach vier Tagen intensiver Beschäftigung mit der Geschichte der DDR in Begleitung ihrer Lehrerinnen Theresa Lennert und Monika Pickmeier in positiver Stimmung auf den Heimweg. Das „geopferte Wochenende“ für dieses Thema hat sich gelohnt, waren sich die Abiturienten einig.

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