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Kulturherbst Auftaktveranstaltung ein voller Erfolg

Poetry-Slam mit Fabian Navarro stieß auf Begeisterung

Von Ben Kaupmann

„Schreiben ist nichts Mystisches. Man kann es lernen!“ Fabian Navarro ist sich sicher, der tradierte Geniegedanke Goethes, Schillers und Co. liege völlig aus der heutigen Zeit und das Handwerk des kreativen Schreibens müsse erlernt und gefördert werden. Zwar ist der gleichnahmige Studiengang in der deutschen Universitätenlandschaft ein seltenes Gewächs. Doch Workshops zum Poetry-Slam, wie am vergangenen Dienstag, können eine erste Abhilfe leisten.

Während zum Beginn der ersten Stunde die meisten Schüler des Friedrich-Spee-Gymnasiums in ihren Unterricht gingen, waren zwölf Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen Q1 und Q2 schon gespannt auf die nächsten fünf Stunden mit Poetry Slammer Navarro, der zwar wohnhaft und kulturell engagiert in Wien ist, aber gebürtig aus Warstein kommt und es zu einem der besten Slam Poeten Deutschlands gebracht hat.

Was ist Poetry-Slam eigentlich? Ursprünglich ist der Wettbewerb um Chicago, in den USA, in Form der Spoken Word-Bewegung entstanden. Verschiedene Teilnehmer stellen hierbei ohne jegliche Requisiten einen selbstverfassten Text vor. Das Angebot reicht von Lyrik über Kabarrett bis zu Kurzgeschichten. Die Formen der Textkunst eint eine rhythmische und performative Darbietung vor einem Publikum, das zugleich die Jury des Wettbewerbs bildet.

All das wirkte erst einmal überfordernd auf uns Schüler, die sich ausnahmslos noch nicht selbst ans Schreiben solcher Texte begeben hatten. Zwar sollte der Workshop nicht in einem Wettbewerb enden, um uns Jugendliche nicht abzuschrecken, unsere Werke vorzustellen, doch bereits als erste Aufgabe galt es einen Text zu verfassen. Und zwar in zehn Minuten und ohne den Stift vom Blatt abzusetzen. Wie passend, dass das Thema „Stress“ lautete. Problemloser als zuerst gedacht, flitzten die Füller und Kugelschreiber über das Papier – zumindest bis der nächste Gedanke noch auf sich warten ließ. Nichtsdestotrotz musste die Tinte weiter fließen, sodass Fragen ans Publikum und Wortwiederholungen die Zeilen füllten, was den teils schnellen Lesefluss erst ermöglichte.

Nach einer Verschnaufpause und von Staunen geprägten Präsentation der Ergebnisse, rückte die Tücke der nächsten Herausforderung näher. Was uns zum Thema Ferien einfalle, wollte Fabian Navarro wissen. Die Assoziationen waren eine Woche vor den Herbstferien schnell geweckt und die Begriffssammlung wurde merklich länger, in der stillen Hoffnung, aus dem Pool an Wörtern im Folgenden einen Poetry-Text zu kreieren. Weit gefehlt: „Ihr schreibt jetzt bitte den Text ohne eines dieser Wörter zu verwenden.“, erklärte Navarro und konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen. Das Ganze in – na klar – zehn Minuten. Dank des zuvor entworfenen „Werkzeugkastens“ mit stilistischen Gestaltungsmitteln wurde es in dieser zweiten Aufgabe einfacher als in der vorangegangenen, die Lücken zu füllen.

Abschließend hatten alle Teilnehmer des Kurses, nach einer kleinen Pause, die Gelegenheit, ihre eigenen Ideen zu vielfältigen Themen – wie zum Beispiel Angst auf der Bühne, Stereotypen und Klimaschutz – zu verwirklichen. In einer letzten Übung des Morgens konnten wir noch einmal alles Gelernte einsetzen und fast eine Stunde lang mit der Unterstützung von Fabian Navarro den vorest letzten Poetry-Text zusammenbasteln, um ihn anschließend im Kursverband zu präsentieren.

Bei der Vorstellung der einzelnen Arbeiten konnten wichtige Erkenntnisse erlangt werden, wie das Publikum auf die gesetzten Pointen reagierte. Oftmals würden sich die Vorstellungen zu sprachlichen Bildern unterscheiden, weiß der Leiter des Workshops aus eigener Erfahrung. Das sei jedoch gar nicht schlimm, denn häufig spiele die Individualität des Zuhörers eine entscheidende Rolle, was diese Literaturrichtung so interessant mache. Wichtig sei aber, dass jeder dem Poet ein Mindestmaß an Respekt für dessen Arbeit zollt: Der Beifall gilt als Goldene Regel bei jeder Veranstaltung und sollte auch am Dienstag nicht vergessen werden.

„Ich glaube, wir waren mit Abstand die lauteste Klasse heute“, witzelte Navarro folgerichtig bei der Abendveranstaltung mit allen Interessierten, die sich unsere Resultate anhören mochten. Wir jungen Künstler traten jeweils, unter großem Beifall, auf die Bühne ins Scheinwerferlicht: Etwas nervös, aber mit einem positiven Gefühl der Anerkennung, wurden die Werke performiert und vorgetragen. Ein rundum gelungener Workshop, sind sich alle Schülerinnen und Schüler einig. Schreiben kann man wirklich lernen!

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