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Bild00 200Tageszeitung "Der Patriot" vom 7.10.2020 / Marcus Kloer

Poetry Slam am Friedrich-Spee-Gymnasium Rüthen

Neben Fabian Navarro begeistern auch Schüler

Versteht man allgemein einen literarischen Wettstreit mit selbstgeschriebenen Texten unter derartigen kulturellen Veranstaltungen, stand bei dem Kulturherbst „Speezial“ der Spaß an Sprache, Wort und Bühne im Vordergrund. Schließlich hatte Fabian Navarro am Vormittag mit Schülern der Oberstufe aus der Q1 und Q2 einen Workshop in Form eines Poetry-Schreibkurses durchgeführt.

Ob mit Anleitung oder ganz frei – was bei dem Workshop herauskam, war in hohem Maße beeindruckend. Da gab es nicht nur von Fabian Navarro nach der Veranstaltung Lob, sondern auch von dem begeistert applaudierenden Publikum. Auffallend reif und mit tiefgehenden Gedanken zu dem Leben, Trends, der eigenen Zukunft, der Gesellschaft oder sozialer Kritik zeigten neun junge Akteure, was die Jugend bewegt und wie aufgeklärt sie Dinge wahrnimmt.

 

Denn die Sprache war neben Gestik und etwas Bewegung auf der Bühne das einzige Stilmittel: Das Bühnenbild war nicht karg, sondern einfach nicht vorhanden, ebenso wenig wie Kostüme. Und weil manchmal der erste Schritt einer der schwierigsten ist, machte Fabian Navarro kurzerhand den Anfang am Mikrofon.

Der gebürtige Warsteiner ist 30 Jahre alt und wurde vor rund zwölf Jahren von dem aus den USA herübergeschwappten Ausdrucksmittel des Poetry-Slams begeistert. „Ich bin dabei geblieben“, sagt er und lebt heute als hauptberuflicher und mehrfach ausgezeichneter Slam-Poet, Autor und Kulturveranstalter in Wien.

Bei seinem Auftritt erzählte er von dem Erwachsenwerden, der behüteten Familie und einem gelegentlichen Streit mit der Mama. Der 18. Geburtstag war nach spannenden Jahren zuvor eher unspektakulär. Später unterhalten sich Freunde dann über Neubaugebiete und Tipps, wie man einen Thermomix von der Steuer abzieht. Aber es geht auch um Erfahrungen: Man wird schlauer – bestellt zum Beispiel beim Baguette weniger Jalapenos.

Vom sprachlichen Witz, Ausdruck und der Körpersprache überzeugten sich die Zuschauer in der Alten Aula live. Damit hatte der Profi natürlich einen Meilenstein gesetzt – in die Fußstapfen traten die jungen Friedrich-Spee-Schüler aber mit Begeisterung und wussten das Publikum zu überzeugen.

Einige von ihnen hatten bis zum Vormittag keinerlei Erfahrungen mit Poetry-Slam – hatten keine eigenen Texte für einen solchen geschrieben, geschweige denn sie auf einer Bühne aufgeführt.

Erstaunlich abgeklärt fragte Maximilian Jung in seinem Beitrag, ob Abiturzeugnis, Freiheit oder Verantwortung erwachsen machen und hatte seine Antwort gefunden: Das Erwachsenwerden geschieht nebenher, wenn man ohne Furcht auf Neues zugeht. Anna Göke dachte ähnlich daran, ihren Weg zu gehen. Nach dem Abitur die Studienzeit, eigene Erfahrungen machen und Chancen nutzen: „Raus aus der Komfortzone, aber nicht über das Ziel hinaus.“

Christiane Werni brach eine Lanze dafür, auch Fehler machen zu dürfen, zu ihnen zu stehen und nicht den Schein wahren zu wollen. Auch kommt es gelegentlich auf die Sichtweise an: „War es ein Fehler?“, fragte sie abschließend. Über Ängste dachte Anna Rötz nach. Sie begegnen einem im Alltag, aber macht man sich auch über einige Dinge unnötig Gedanken, hatte sie einen Impuls für das Publikum.

Einen kritischen Blick auf Instagram und die Sozialen Medien warf Greta Sprissler. Unter dem Bild stehe „Sei Du selbst“, doch sei das Bild zeitaufwändig bearbeitet und zeigt eben nicht einen selbst. „Wer definiert Perfektion?“, fragte sie und gab zu bedenken, dass Soziale Medien nicht eindeutig die Realität zeigen.

Seinen Weg zu gehen und sich selber treu zu sein, ermunterte Paula Schulenberg, denn: „Durchschnittlich sein ist eine Illusion.“ Es ist ok, ein Streber zu sein, ausgefallene oder konservative Hobbies zu haben oder – ganz uncool – sprachlich korrekte WhatsApp-Nachrichten zu schreiben.

Vorurteile und Scheinwelt

Über Vorurteile und eine Scheinwelt hatte sich auch Sophia Hellemeier Gedanken gemacht und nannte die Privatsphäre als kleines Stück für sich selbst. Mit Gestik und Sprachwitz war Ben Kaupmann schnell bei dem Publikum. Im Fokus – Stress. Stress, etwas zu bewegen. „Keine Lust darauf, abhauen, mit wem“, dachte er weiter: „Was ist Leben … was bewegen … selber machen… kannst Du das auch?“.

Den gut gewählten Schlusspunkt setzte Leander Umezulike, der bewusst machte, wie gut es uns geht, die harmonischen Gedanken der Zuschauer aber mit dem desillusionierenden Streben nach mehr störte und so den Kontrast zu seiner Sozialkritik an einer Welt aufbaute, die trotz Wohlstands noch Krieg und Hunger toleriert. Ohne die Welt im Ganzen auf einmal ändern zu wollen, empfahl der angehende Abiturient: „Wertschätzung ist wichtig.“

Der Poetry-Slam-Abend war ein gelungener Auftakt zum Kulturherbst „Speezial“. Hintergrund: Durch die Bewerbung bei einem Förderprogramm des Literarischen Colloquims Berlin für kulturelle Veranstaltungen in Städten bis 20 000 Einwohner hat die Fachschaft Deutsch um Marion Helle-Laumann und Tina Wiese eine Veranstaltungsreihe organisiert.

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