Die Schulgeschichte des Friedrich-Spee-Gymnasiums

Die Anfänge der Schule im 19. Jhd.

Altes Schulgebäude

Dem Bildungswesen hat die Stadt Rüthen seit dem 18. Jahrhundert bis heute besondere Bedeutung eingeräumt. Geprägt wurde die Stadt nach der Tätigkeit des Pfarrers und Schulreformers Friedrich Adolf Sauer (1795-1803), der neue Unterrichtsmethoden und den sog. Industrieunterricht im Sauerland einführte, durch das 1876 in der oberen Rathausetage gegründete - anfangs als provisorisch eingestufte - Seminar zur Ausbildung von Volksschullehrern. Noch während des 1. Weltkriegs erfolgte die Übersiedlung des Kaiser-Wilhelm-Lehrerseminars in einen pompösen neobarocken Neubau inmitten einer Parkanlage mit Blick ins Möhnetal, unseren heutigen Altbau. Dieser moderne Gebäudekomplex, der die Stadt Rüthen über 300.000 M kostete, hatte 270 Volksschüler und 90 Seminaristen aufzunehmen.

 

 

Die Entwicklung in der Weimarer Republik

Die Professionalisierung der Volksschullehrerausbildung - das Abitur wurde z.B. zu einer Aufnahmevoraussetzung gemacht - führte zu Beginn der 20er Jahre zum Abbau der zahlreichen Lehrerseminare. Als das Rüthener Seminar 1926 schließen musste, hatten 1462 Seminaristen die Befähigung zur Anstellung im Volksschuldienst erworben. Das Bemühen um einen Ersatz hatte 1926 Erfolg. Auf Initiative des geistlichen Prorektors Eisenhut - eines führenden Mitglieds im Rüthener Zentrum - und mit Unterstützung durch den Oberschulrat Hellwig aus dem Provinzialschulkollegium Münster erhielt Rüthen als eine der letzten Schulen in Preußen eine höhere Schule in Kurzform, die "Staatliche Oberschule in Aufbauform", eine sogenannte Aufbauschule.

Foto Schulgebäude

Diese neue Form - aus kulturpolitischen Motiven besonders auf dem Lande eingerichtet - baute auf einer siebenjährigen Volksschulzeit auf und vermittelte begabten Schüler(inne)n in sechs Jahren das Abitur. Inhaltlich wurde die Schule in Rüthen als "Deutsche Oberschule" geführt. Sie war damit deutschkundlichen Vorstellungen verpflichtet und sollte vor dem Hintergrund des verlorenen Krieges und der aus kulturkritischer Sicht als eher dekadent eingeschätzten Entwicklung in den Großstädten als bäuerlicher "Jungbrunnen" fungieren, aus dem das Volk "immer wieder das reine Quellwasser seiner völkischen Ursprünglichkeit schöpfen" könne. Die angesichts einer starken Lehrerfluktuation schwierige Aufbauphase ab 1926 oblag dem geistlichen Studienrat Philipp Schniedertüns. Ihm gelang es, die Akzeptanz der Schule in der Bevölkerung weitgehend zu sichern und damit ihre offizielle ministerielle Anerkennung zu erhalten. Nach einer Aufnahmeprüfung begannen 1926 in der Untertertia 16 Jungen und 4 Mädchen. Nur über die - kirchlicherseits abgelehnte - Koedukation konnten angemessene Schülerzahlen erreicht werden. Während die Unterrichtsinhalte eher kulturpessimistisch und konventionell waren, fielen die Mädchen aber im Turnunterricht durch selbst genähte Hosen auf, erregten sie in der Kleinstadt Aufsehen bei Schwimmübungen in der Möhne oder auch durch Bubikopf-Frisuren.

Klareres Profil gewann die Schule ausweislich der Revisionsbesuche des Schulkollegiums ab 1930 durch Schniedertüns' Nachfolger, den besonders literarisch und musisch gebildeten Studiendirektor Dr. Hans Fluck, der ihre Konsolidierung 1932 mit dem ersten Abitur abschloss. Aus der Eingangsklasse erhielten drei Mädchen und sieben Jungen das Abitur. Unterstützt besonders vom geistlichen Studienassessor Dr. Wilhelm Kahle entwickelte sich die Stadt auch durch die Aufbauschule - 1931 mit 70 Jungen und 24 Mädchen in sechs Klassen - zu einem kulturellen Zentrum im südlichen Kreis Lippstadt. Die starke literarische Ausrichtung des Deutschunterrichtes mit einem großen Lektürepensum, die schriftliche Abiturprüfung auch im Fach Geschichte oder Erdkunde, das Angebot von philosophischen, deutschkundlichen, naturwissenschaftlichen und musischen Arbeitsgemeinschaften und die Öffnung der Schule nach außen über Theaterstücke, Musikabende und naturwissenschaftliche Vorträge sowie die katholische Prägung des Unterrichtes und des Schullebens sicherten das Ansehen der Schule in der Bevölkerung. Daher waren den Jungen sonntägliche Fußballwettkämpfe verboten und die Teilnahme der Mädchen an den üblichen nächtlichen Feiern nicht gern gesehen.

So hieß es in eine Mitteilung des Schulleiters, die den "guten Ruf der Anstalt" schützen sollte, an einen Vater: "Am Montag dieser Woche hat die UI unserer Schule eine Klassenfeier veranstaltet, die sich bis 2 Uhr nachts ausgedehnt hat. An dieser Feier haben Lehrer oder andere Respektspersonen nicht teilgenommen. Wir gönnen der Jugend von Herzen einige freundliche Stunden, aber es entspricht den einfachsten Forderungen des Taktes, dass eine Veranstaltung dieser Art unter Aufsicht verantwortungsbewusster Personen vor sich geht. Es erfüllt mich daher mit Schmerz, erfahren zu müssen, dass auch Ihre Tochter Maria sich bis zum Schluß an der Klassenfeier beteiligt hat, und ich kann nicht glauben, dass dieses Verhalten Ihre Billigung findet. Wenn ich auch zu der sittlichen Haltung Ihrer Tochter ein unbegrenztes Vertrauen habe, so sind solche Vorkommnisse geeignet, den Gegnern der Gemeinschaftserziehung Waffen in die Hand zu geben und somit auch das Dasein unserer Schule zu gefährden."

Aufgrund der Verarmungsprozesse zum Ende der Weimarer Republik und des zu zahlenden Schulgeldes blieb aber die Zahl der Schüler(innen) und besonders der Kinder aus der Arbeiterschicht deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Das Gymnasium in der Zeit des Nationalsozialismus

Von 1932 bis 1945 leitete Studiendirektor Dr. Heinrich Steinrücke die Schule mit autoritärem Gehabe. Zum 1. Mai 1933 traten er und alle anderen Lehrer - auch der Geistliche Dr. Kahle - der NSDAP bei. Beeinflusst vom Pathos der "Erneuerung" und des "nationalen Aufbruchs" sahen sie - im einzelnen unterschiedlich - durch den Nationalsozialismus die Chance, katholisch-kulturkritische, d.h. vor allem ständische und antiaufklärerische Vorstellungen durchzusetzen. Dies wirkte sich in der Anfangsphase teils deutlich auf den Unterricht und die Abiturprüfungen besonders in den eher ideologieträchtigen Fächern Deutsch, Geschichte und Biologie als auch auf das Schulleben (1933/34: geschlossene Teilnahme an öffentlichen Umzügen, fast 100%ige Mitgliedschaft in HJ, SA, BdM) aus.

Allgemeine Affinitäten zu nationalsozialistischen Grundhaltungen waren zu erkennen, doch rassistische Positionen wurden kaum bezogen. Besonders der sehr schülerorientierte ehemalige Franziskaner, Studienrat Dr. Ferdinand Hammerschmidt erwies sich öffentlich als begeisterter und begeisternder Propagandist Hitlers - u.a. bei Sonnenwendfeiern. Die örtliche Diskriminierung/Verfolgung von Sozialdemokraten, Kommunisten und Juden fand keine Beachtung.

Seit ca. 1935 verwahrten sich die Lehrer aber zunehmend gegen die einschränkenden Zumutungen der NSDAP gegenüber dem kirchlichen Terrain. Dr. Kahle trat aus der Partei wieder aus. Die staatliche Neuordnung des höheren Schulwesens 1938 und die deutschen Angriffskriege von 1939 an beeinflussten den Unterrichtsablauf erneut, u.a. durch Lehrerversetzungen, Flakhelferdienste, 1945 Unterbringung des evakuierten Elisabeth-Krankenhauses aus Bochum in Teilen des Gebäudes; sachbezogene Kontinuität war erschwert, Jungen erhielten nach Obersekunda das Notabitur. Schü1er(innen) erinnern sich nicht nur für die Kriegsjahre an fachkundige Lehrer, die vom christlichen Glauben überzeugt waren, ohne ihnen aber demokratische Vorstellungen nachzusagen. Nach 1933 stieg die Schülerzahl deutlich: 1937/38 auf 119 Jungen und 46 Mädchen, 1944 auf 92 Jungen und 108 Mädchen - viele kamen von auswärts und lebten besonders im Winter in Rüthener Pensionen/Familien.

Die Nachkriegsjahre

Vor der Befreiung vom Nationalsozialismus wurde die Schule im März 1945 geschlossen; nach den ersten Entnazifizierungsmaßnahmen erfolgte ihre Wiedereröffnung durch den dienstältesten und als politisch unbelastet geltenden Lehrer StR Verhoeven am 26. März 1946. Von November 1947 an stand sie unter der Leitung von Oberstudiendirektor Dr. Adolf Poschmann. Der normale Schulbetrieb wurde anfangs ergänzt durch Sonderlehrgänge für sog. Notabiturienten. Mit der Errichtung des katholischen Schülerheimes St. Petrus Canisius 1949, das besonders der Unterbringung heimatvertriebener Schüler dienen sollte, die vorher behelfsmäßig im alten Rathaus gewohnt hatten, erhielt die Schule weiteren Zuwachs.

TaubitzUnter der Leitung von Oberstudiendirektor Dr. Felix Taubitz (1950-1955), der schon Direktor der Aufbauschule in  Habelschwerdt/Schlesien gewesen war, erfolgte nach den Startschwierigkeiten der Nachkriegszeit eine gewisse Konsolidierung der Schule. In seine Zeit fiel 1953 die Einrichtung des ersten Förderlehrgangs für Flüchtlinge aus der SBZ und für Spätaussiedler mit 20 Schülern. Obgleich von kleiner Statur, war er ziemlich autoritär und unnahbar, aber energisch und spontan, was auch sein Spitzname "Feuer-Felix" hinlänglich verdeutlicht.

Die „Ära Cramer" (1955-1976)

Mit Dr. Hans Cramer, der vom Laurentianum in Arnsberg kam, erhielt die Schule 1955 einen jungen Leiter, der die Schule bis 1976 prägen sollte. Von 1957 an firmierte sie unter der Bezeichnung Staatl. Aufbaugymnasium Rüthen. Ein Sportplatz parallel zum Schlangenpfad im Park und eine neue Turnhalle in den 50er Jahren, Lehrschwimmbecken und Physik- sowie Biologietrakt in den 60er Jahren waren notwendig geworden, um einen moderneren Unterricht der wachsenden Schülerzahl (1966: 504) bieten zu können. 1974 erfolgte durch den sog. Neubau einschl. Pausenhalle und 2. Turnhalle eine umfassende Erweiterung der Schule, dem aber der Sportplatz wieder weichen musste.

Ein bedeutender bildungspolitischer Einschnitt war der 1.12.1966. Die Dauer des Aufbaugymnasiums wurde um ein Jahr auf sieben Jahre verlängert und ein grundständiges Gymnasium neusprachlichen Typs angegliedert. Mit dem 1. Januar 1974 ging das bisher staatliche Gymnasium in städtische Verantwortung über. Zum 1. 8. 1974 erfolgte die Einführung der "differenzierten Oberstufe" mit der Aufgabe des Klassenverbandes zugunsten eines individuelleren Kurssystems, das seither mehrmals reformiert wurde, indem die Wahlfreiheiten teilweise wieder eingeschränkt wurden.

Oberstudiendirektor Dr. Cramer kann als bedeutende Persönlichkeit angesehen werden. Wenn auch die genannten umfassenden äußerlichen Erweiterungen der Schule und mehr noch die innere Entwicklung seine Tatkraft bezeugen, so waren es aber in erster Linie seine charakterliche und geisteswissenschaftliche Bildung und sein Humanismus, die sein pädagogisches Wirken bestimmten. In seiner Ära bekam das Rüthener Gymnasium verstärkt das, was man den Geist einer Schule nennt, den nicht nur Schüler und Lehrer spürten und mittrugen, sondern auch die umwohnende Bevölkerung.
Dr. Cramer betrachtete die bildungspolitischen Neuerungen durchaus skeptisch: die Aufgabe der Klassengemeinschaft (in der Oberstufenreform) ebenso wie die "Sterilität" der Richtlinien, die sich schon in der Deformierung der Sprache - "Performanz", "Evaluation" - verrate. Zwei Jahre vor seinem Abschied aus dem Schuldienst schreibt er: Kann das "Gymnasium Rüthen unter so viel Reformierung (sic!) überhaupt sein Wesen wahren ..., wird es weiter in seiner Eigenart bestehen ..., wird es untergehen?"

Die „Ära Pilters" (1976-1992)

Wer konnte die Nachfolge Dr. Cramers antreten? Nachdem sich das Kollegium die Vorstellungen mehrerer auswärtiger Bewerber angehört hatte, bildete sich immer stärker die Meinung heraus, dass der bisherige Stellvertreter, StD Herbert Pilters, der sich in der Verwaltung der Schule bewährt hatte und der zugleich eine überzeugende Kommunikationsfähigkeit bewies, die Leitung des Gymnasiums übernehmen sollte. Er wurde 1976 mit großer Mehrheit gewählt und dementsprechend von der Stadt Rüthen bestätigt.

Mit seiner sachlichen, ausgleichenden und unprätentiösen Art leitete Oberstudiendirektor Pilters - ausgestattet mit einem herausragenden Organisationsvermögen - die traditionsreiche Anstalt wirksam und sicher durch die Klippen der vielen neuen Anforderungen. Ihm gelang es, entsprechend den demokratischen Ansprüchen des neuen Schulmitwirkungsgesetzes neben dem Kollegium verstärkt auch Eltern und Schüler(innen) in die Schulentwicklung einzubeziehen.

OStD Pilters hat zentrale Herausforderungen bewältigt, indem er die differenzierte Oberstufe ausbaute und insgesamt das Schulprofil weiterentwickelte. Ihm oblag es, ein weiteres Wachsen der Schülerzahl bis auf 1116 zu organisieren, mit dem die Erweiterung des Kollegiums kaum Schritt halten konnte. Aus der idyllischen Schule mit ca. 100 Schüler(inne)n 1932, 533 Schülern 1967, 863 Schülern 1974 war 1980 eine große Einrichtung mit 72 Lehrer(inne)n geworden, die mit vier Klassen in die gegenüberliegende Berufsschule ausweichen musste und zusätzlich einen zweiräumigen Pavillon belegte. Entsprechend der Tradition der Schule, Vertriebene zu fördern, wurden 1982 bis 1988 vietnamesische Schüler und Schülerinnen, sog. "boat people", aufgenommen und von 1990 bis 2000 viersemestrige Sonderlehrgänge zur Erlangung der Hochschulreife für Aussiedler - überwiegend aus Rußland und Kasachstan - durchgeführt. Das Schülerheim, das teilweise für über 100 Jungen Lebensstätte war, musste 1988 wegen zu geringer Auslastung aufgegeben werden.

Und die Aufbauschule? Mangels Nachfrage lief dieser Zweig, der bereits seit etlichen Jahren nur noch einzügig geführt wurde, ab 1993 aus. Er ist durch die erhöhte Übergangsquote der Schüler(innen) von der Grundschule zum grundständigen Gymnasium verdrängt worden.
Geblieben ist aber das musische Profil, das im Bereich Theater mit der Gründung von "Spectaculum", im Bereich Musik durch Chor/Orchester und seit über 10 Jahren auch durch Musicals und Kunstausstellungen akzentuiert wird.

Die „Ära Schäfers" (1992-2002)

Nachfolger des pensionierten Schulleiters Pilters wurde 1992 Oberstudiendirektor Alfons Schäfers, der vorher am Theodorianum in Paderborn beschäftigt war. 1993 wurde organisatorisch die Fünf-Tage-Woche in einer besonderen Rüthener Variante eingeführt. Um für die Unter- und Mittelstufenschüler(innen) auf den Unterricht in der 7. Std. zu verzichten, der auch für viele von ihnen fahrtechnische Schwierigkeiten gebracht hätte, findet nun ein langer Mittwoch statt, d.h. nach einer Mittagspause von einer Stunde, die auch für Arbeitsgemeinschaften genutzt werden kann, werden noch zwei Stunden unterrichtet. Zusätzlich ergeben sich für einige Klassen durch diese Regelung Möglichkeiten für Förderunterricht und die Teilnahme an Chor/Orchester. 1994 regte die Schulkonferenz an, das Städtische Gymnasium nach Friedrich Spee zu benennen, was vom Rat der Stadt Rüthen begrüßt wurde. Mit Friedrich Spee haben wir einen Namenspatron gefunden, der mit seinem literarischen Schaffen, seiner Streitschrift Cautio criminalis und seinem couragierten persönlichen Einsatz für Verfolgte und Notleidende auch heute noch ein Leitbild für Humanität und Menschlichkeit darstellt.

2000 stockte man den Neubau um eine Etage auf, um großzügige Flächen besonders für moderne Fachräume zu erhalten. So entstanden ein weiterer Computerraum, ein neuer Musikraum, ein Medienraum besonders für Gruppenarbeit und zwei Kunst- bzw. Textilräume. Zugleich wurden in vielen Räumen Computer mit Internetanschluss und Beamer zur Verbesserung der Informations- und Präsentationsmöglichkeiten installiert. Auch ein kleines Internet-Cafe ist inzwischen eingerichtet worden.

Die "Ära Bracht"

„Neue Besen kehren zwar gut, aber die alten kennen die Ecken", kommentierte Dr. Hans-Günther Bracht 2002, nachdem er durch die Schulkonferenz zum Nachfolger von Alfons Schäfers gewählt worden war. Zuvor hatte er bereits mehrere Jahre die Aufgaben des Stellvertreters wahrgenommen.
Hans-Günther Bracht widmete sich am FSG besonders der Schulentwicklung: Gerade der Unterricht musste in seinen Augen weiterentwickelt werden. Er war sich sicher, dass die sich verändernde Gesellschaft nachhaltige Auswirkungen auf die Kinder und Jugendliche erzeugte, denen sich Schule stellen muss. Gerade das Freizeitverhalten, der Medienkonsum, aber auch sich verändernde häusliche und soziale Verhältnisse stellten die Schule in seinen Augen vor neue Herausforderungen. Hans-Günther Bracht setzte dabei auf kleine wie größere Zeichen: Regelmäßig bot er auch in den Ferien für Schüler Basketballspiele in der Turnhalle an. Und „Chancengleichheit – Bildung von Anfang an" heißt die Stiftung, in deren Vorstand er sich seit Jahren engagiert.

Der Unterricht am FSG erlebte Veränderungen: Die Verlängerung der Stunden vom alten 45-Minuten-Takt auf 67,5 Minuten-Einheiten („Rüthener Modell") reduzierte den Fächerwechsel von sechs auf vier Stunden am Vormittag und brachte so mehr Ruhe in die Schule, die seit 2006 mit der verkürzten Gymnasialzeit (G8) konfrontiert war. Dass auch der Schulgong weitgehend abgeschafft wurde, rundete diese Bemühungen ab. Mit den verlängerten Unterrichtsstunden eröffnete sich die Chance, verstärkt kooperative Unterrichtsformen zu nutzen. Zahlreiche intensive Fortbildungen investierte das Lehrerkollegium in diese Veränderung des Unterrichts. Gleichzeitig rückte in der NRW-Schulpolitik die Aufgabe der individuellen Förderung in den Blickpunkt. Am FSG trug dieser Prozess Früchte: Der Schule wurde 2011 das „Gütesiegel Individuelle Förderung" durch das NRW-Schulministerium verliehen. Besonders der Übergang von der Grundschule ins Gymnasium oder auch das ausdifferenzierte Förderbandsystem trugen zu dieser Auszeichnung bei. „Getestet und für sehr gut befunden", hieß es am Ende der offiziellen Qualitätsanalyse des Landes NRW: In 14 von 25 Testbereichen erreichte das FSG den höchsten Wert, neun weitere Bereiche schnitten mit der zweitbesten Bewertungsstufe ab.

Nicht zuletzt durch diese Modernisierung des Unterrichts, die sich auch in einer immer umfassenderen Ausstattung der Schule mit modernen Computern, Beamern und elektronischen „Smartboardtafeln" ausdrückte, erhöhte die Attraktivität des Gymnasiums. Trotz einer vereinzelt nicht unproblematischen Anbindung an den ÖPNV, wuchs die Strahlkraft des FSG: Die Anmeldezahlen, die eine Veränderung von der Drei- zur Vierzügigkeit dokumentieren, sprachen eine deutliche Sprache. Zahlreiche Schulen in NRW besuchten das FSG, um sich vom Modell der 67,5-Minuten-Einheiten beraten zu lassen. In seiner Amtszeit oblag es Bracht außerdem, einen Generationenwechsel im FSG-Kollegium zu bewältigen: Zahlreiche verdiente Kollegen, die die Schule teilweise über Jahrzehnte geprägt hatten, gingen in den Ruhestand. Die Einstellungen vieler junger Kolleginnen und Kollegen, die auch in den Mangelfächern erfolgreich war, galt es in Schulleben und -entwicklung zu integrieren.

Unter Hans-Günther Bracht zeigte sich das FSG als offene, liberale Schule. Sie dokumentierte das auch nach außen deutlich sichtbar, nicht zuletzt durch die Verleihung des Siegels „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage".

Nachdem Hans-Günther Bracht auf Initiative der FSG-Elternvertretung seine Amtszeit um 1,5 Jahre verlängert hatte, wählte die Rüthener Schulkonferenz 2013 Heinfried Lichte zu seinem Nachfolger. Er bleibt der Rüthener Schullandschaft aber weiter intensiv verbunden: Im Sommer 2014 startete die neue „Private Sekundarschule Rüthen", deren Trägerverein er vorsitzt. Eine der ersten Amtshandlungen: Ein Kooperationsvertrag mit seiner alten Wirkungsstätte – dem Friedrich-Spee-Gymnasium.

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