Bild1 200 Große Ehrung für spannendes Film-Projekt gegen das Vergessen

FSG- Schüler im Bonner Haus der Geschichte als Landessieger im Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten ausgezeichnet

»Gott und die Welt. Religion macht Geschichte« : Unter diesem Motto stand in diesem Jahr der Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten, der größte historische Forschungswettbewerbes in Deutschland. Allein aus NRW wurden 461 Beiträge eingereicht, einer davon von den Schülerinnen und Schülern des Friedrich-Spee-Gymnasiums in Rüthen. Und dieser Beitrag wurde nun als einer von 66 Landessiegern in Bonn ausgezeichnet.

Die acht Jugendlichen der 11. Klasse (Q1) hatten sich hierzu in einem Projektkurs, der von Lehrer Marc Eigendorf betreut wurde, ein Thema mit einem lokalen Bezug überlegt. Unter dem Titel „Glaube oder Gehorsam? Euthanasie und Widerstand in der Provinzialheilanstalt Warstein“ beschäftigten sie sich mit nationalsozialistischen Verbrechen vor der eigenen Haustür, deren Opfer auch Rüthener Bürgerinnen und Bürger waren.
Die Schülerinnen und Schüler gestalteten ihren Beitrag in Form eines Dokumentarfilms. Tutor Marc Eigendorf war anfangs skeptisch, als die Jugendlichen dieses Format zur Präsentation ihrer Forschungsergebnisse vorschlugen: „Zum Glück habe ich mich da geirrt,“ sagte er rückblickend bei der Auszeichnungsfeier im Bonner Haus der Geschichte.

Der Film widmet sich Geistlichen, die aus religiösen Motiven versuchten, die Verlegung von psychisch Kranken und Behinderten von der ehemaligen Provinzialheilanstalt Warstein in die nationalsozialistischen Vernichtungsanstalten beziehungsweise die Zwischenanstalten zu verhindern. Es war allgemein bekannt, dass die Menschen dort dem sogenannten ›Gnadentod‹ geweiht waren. 14.500 Menschen wurden im Rahmen der ›Aktion-T4‹ zwischen 1941 und 1945 in der hessischen Anstalt Hadamar getötet. Dieses Wissen brachte das Pflegepersonal in einen moralischen Konflikt. Nur wenige, wie der Anstaltsgeistliche Lorenz Pieper oder die Schwestern der Provinzialheilanstalt Warstein, wagten Widerstand.

Für ihre Recherchen befragte die Schülergruppe mehrere Experten und Zeitzeugen, die im Film durch die Geschichte der Widerständler leiten. Viel Unterstützung erhielten sie vor allem von Helmut Monzlinger vom LWL, der der Gruppe viele Informationen gab und Materialien zur Verfügung stellte. Auch in den Archiven des Erzbistums Paderborn und des LWL in Münster fanden sie offene Türen und hilfreiche Mitarbeiter, die ihnen das wissenschaftliche Arbeiten näherbrachten. Nicht zuletzt der Kontakt zu Zeitzeugen war eindrucksvoll, zumal sie äußerst wertvolle Hintergründe berichteten.
Nun machten sich Lea Stallmeister, Julia Döbber, Anton Rikus, Jennifer Ewald, Sarah Lorenz, Joeline Markworth, Marie Kaniß, Nikolina Mateska mit Geschichtslehrer Marc Eigendorf auf den Weg nach Bonn. Im Haus der Geschichte wurde im Rahmen der Ehrung der Landessieger die Ehrung der Landessieger durch den ehemaligen Bonner Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch, Sven Tetzlaff von der Körber-Stiftung und Prof. Dr. Hans Walter Hütter vom Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland vorgenommen. Jeder Siegerbeitrag wurde dabei kurz vorgestellt und angemessen gewürdigt, was auch die thematische Vielfalt der Beiträge deutlich machte. Auch wenn es für das Rüthener Gymnasium bereits der zweite Landessieg (2011 gewann Johanna Heppe mit einem Beitrag zu Friedrich Spees „Cautio criminalis“) war: Viele der ausgezeichneten Schulen sind Stammgäste, haben den Wettbewerb bereits mehrfach gewonnen und beteiligen sich jährlich mit Beiträgen - eine Tatsache, die die Rüthener Geschichtslehrer Marc Eigendorf und Christian Neuhaus als Ansporn sehen, auch in Zukunft ihre Schülerinnen und Schüler zur Teilnahme an diesem spannenden Wettbewerb zu ermutigen und sie bei ihren Recherchen zu betreuen.

Dass die aktive Auseinandersetzung mit der Geschichte ein wichtiger Teil des FSG-Schulprogramms ist, zeigte sich auch nach der Auszeichung in Bonn: Für Tutor Marc Eigendorf und vier seiner Landessieger ging die Reise per Flugzeug direkt weiter nach Berlin, von wo es dann weiter zur jährlich stattfindenden Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz weiterging.

Gelegenheit, den Film „Glaube oder Gehorsam? Euthanasie und Widerstand in der Provinzialheilanstalt Warstein“ zu sehen, besteht für alle Interessierten im Rahmen des Sommerfestes am Friedrich-Spee-Gymnasium am Dienstag, dem 11. Juli, ab 17:30 Uhr.

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Foto:Schönhense (Tagespresse "Der Patriot")

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