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Tageszeitung "Der Patriot" vom 12.06.2017 / Hanna Löseke

Liebe, Zoff und die Tragik des Lebens

Gymnasiasten begeistern mit Theater über Beziehungen

Licht aus, Spot an. Nur ein paar weiße Hocker zieren die Kulisse, Musik setzt ein und von allen Ecken betreten nach und nach zehn ganz in schwarz gekleidete Schüler mit weißen Masken die Bühne, drapieren sich um die Hocker herum und rufen „Ich“. Dann zeigen sie aufeinander, tanzen, kuscheln und rufen. Was auf den ersten Blick schon seltsam wirkt, ist der Anfang des Programms „sich finden – sich binden – sich winden“, mit dem das TheaterSpeezial am Wochenende die Alte Aula des Friedrich-Spee-Gymnasiums füllte.

Zum ersten Mal präsentierte der Literaturkurs nämlich kein geschlossenes Drama, sondern kurze Sketche und kleine Gedichte von Autoren wie Wilhelm Busch, Kurt Tucholsky, Joachim Ringelnatz, Urs Widmer, Alan Ayckbourn und Martina Hill. „Wir wollten das Thema möglichst vielseitig betrachten und haben uns deshalb für ein abwechslungsreiches Programm und nicht für ein geschlossenes Drama entschieden“, hatten die Regisseure Claudia Gallagher und Andreas Dierkes im Vorfeld angekündigt.

Und das konnte sich wirklich sehen lassen: Da war zum Beispiel ein kleiner männlicher Briefmark (Sara Marie Mertin), der, von einer Prinzessin (Michèle Domnick) beleckt, die Liebe entdeckte und sie wieder küssen wollte. „Er wollte sie wieder küssen, doch dann hat er verreisen müssen“, rezitierte Eric Schaup Ringelnatz, als ein Postbote (Deborah Giese) den kleinen Briefmark verschleppte, „so liebte er sie vergebens, das ist die Tragik des Lebens.“ Ein lachendes Publikum war da garantiert.

Insgesamt waren es 18 kleine und vor allem kurzweilige Stücke, die die Schüler überzeugend und fast patzerfrei auf die Bühne brachten. Und allesamt thematisierten sie zwischenmenschliche Beziehungen.

Von anschmachten bis abschlachten

Etwa die von völlig Verliebten, die vor lauter Anschmachterei nichts mehr um sich herum mitbekommen oder die des älteren Ehepaares, das einen Witz erzählen möchte und sich dabei so zofft, dass der Witz nie ein Ende findet.

Oder das Ehepaar, das im Badezimmer so gar keine gegenseitige Liebe mehr zu finden scheint, aber wohl Ansprüche ans eigene Hab und Gut, das der Partner gerade so gar nicht passend behandeln will und nur in Regieanweisungen spricht. Aber auch die Beziehung innerhalb einer ganzen Familie, etwa beim Kaffeetrinken mit den immergleichen Abläufen, dem Kreislauf, aus dem man kaum entkommt. Und dann war da die Mutter (Jasmin Adrians), die schwört, nie im Tagebuch ihrer Tochter (Ronja Stork) gelesen zu haben und doch alle Geschichten kennt.

Von nicht ganz so viel Sympathie geprägt waren derweil die Beziehungen von Angestellten zum Chef. Eingebettet in das Coaching-Seminar „Innovative Wege zur beruflichen Neuorientierung für Fach- und Führungskräfte“ sinnierte erst Michèle Domnick als Herr Müller durchaus gewaltbereit über eine mögliche Bergwanderung mit dem Chef, bei der Chef und abgeschlagene Nase nebeneinander im freien Fall nicht mehr ganz lebendig unten ankommen und der gefeuerte Topmanager (Ronja Theuner) endete in wilden Beschimpfungstiraden, als er sich nach einem Heulkrampf selbst kündigen musste.

Völlig begeistert klatschte und jubelte das Publikum am Ende kräftig. Der Dank der überzeugenden Schauspieler galt ihrerseits vor allem ihren Regisseuren: Die hatten nämlich „ziemlich viele Nachmittage und Freizeit“ in die Aufführung gesteckt.

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