Westfalenpost vom 13.06.2016 / Eva Frenz

Mörderische Machenschaften im Moor

„Theater Speezial“ bringt Kriminalkomödie zur Aufführung

Ein Mord brachte am Freitagabend das Herrenhaus Muldoon in der Alten Aula des Rüthener Friedrich-Spee- Gymnasiums in Aufruhr. Denn die Oberstufen-Theatergruppe „Theater Speezial“ des FSGs, bestehend aus elf Schülern der Jahrgangsstufen Q1 und Q2, feierten mit der Kriminalsatire „Der wahre Inspektor Hound“ von Tom Stoppard Premiere. Geleitet wird die Gruppe von den beiden Lehrern Claudia Gallagher und Andreas Dierkes, wobei Dierkes ebenfalls als Darsteller im Stück beteiligt war.
Gallagher lud die Zuschauer gleich zu Beginn des Stückes ein, aufmerksam zuzuhören, mit zu rätseln und den Mord aufzuklären.

 

Die Zuschauer wurden dabei selbst zu Statisten, befanden sie sich doch live als Publikum in einem englischen Provinztheater, in dem ein Kriminalstück aufgeführt wurde. Mit unter das Publikum gemischt saßen die beiden Theaterkritiker Moon (Gina-Maria Smorra) und Birdboot (Marie Nübel), die unterschiedlicher nicht sein konnten.

Ungeahnte Dimensionen nahmen Moons Minderwertigkeitskomplexe ein. Er war genervt, dass er immer für den renommierten Haupt-Kritiker Higgs einspringen musste und somit nur die zweite Geige spielte. Unter anderem nimmt Stoppard hier die Hierarchien der Kritikerwelt und die wichtigtuerische Oberflächlichkeit auf die Schüppe. Im Gegensatz dazu war der verheiratete Birdboot dem Charme aller weiblichen Schauspielerinnen verfallen und schwärmte von ihrer Schönheit. So kam es, dass der wortgewandte Moon die Darsteller des ihm dargebotenen Stückes als „Krustentiere in Felsentümpeln der menschlichen Gesellschaft“ empfand, wohingegen Birdboot die Hauptdarstellerin verblendet als „die vielleicht beste Cynthia aller Zeiten“ sah.

Klischeebehaftetes Kriminalstück

Auf der Bühne bot sich ihnen und dem Publikum ein Kriminalstück à la Agatha Christie, klischeebeladen und schaurig: Schauplatz war ein von der Außenwelt abgeschnittenes, von Nebelschwaden umgebenes Herrenhaus. Plötzlich huschte ein mysteriöser Fremder durch das Herrenhaus und stellte sich schnell als Simon Gascoyne (Sara Marie Mertin), die ehemalige Affäre von Felicity Cunningham (Sofia Koslowski), einer Hausbewohnerin, vor. Doch auch der verwitweten Lady des Hauses, Cynthia Muldoon (Laura Patrzek) war Simon nicht abgeneigt und es entwickelte sich schnell eine innige Beziehung. Als sich auch noch herausstellte, dass der Major Magnus Muldoon (Andreas Dierkes) ebenfalls von einer Beziehung mit seiner Schwägerin Cynthia träumte, stand vielen spitzen Kommentaren und Streitigkeiten nichts im Wege.

Darüber hinaus beunruhigten Radiodurchsagen die Bewohner des Herrenhauses, dass ein Geisteskranker durch die Moore und über Klippen streife und das Herrenhaus als Ziel hätte. Deswegen erschien der Inspektor Hound (Jessica Keberlein), bepackt mit Nebelhorn und Moorschuhen, um die Sicherheit der Bewohner zu gewährleisten. Doch plötzlich wurde ein unbekannter Toter im Herrenhaus gefunden, kurz darauf lag Simon erschossen im Salon und die Zugehfrau Mrs. Drudge (Lena Vorderwisch) erschien immer in den richtigen Momenten, um dem Mörder vielleicht auf die Spur zu kommen.
Immer wieder wechselte das Stück zwischen dem Geschehen im Herrenhaus und den Kommentaren der beiden anwesenden Theaterkritiker, die das ihnen dargebotene Stück mit äußerst elaborierten Phrasen kommentierten.

Ebenen verschwimmen

Doch eine unbedachte Handlung von Moon hatte zur Folge, dass beide Theaterkritiker plötzlich in zu ihnen passende Darstellerrollen schlüpfen mussten und diese in einem neuen Durchlauf des Kriminalstückes einnahmen. Am Ende lagen auch sie beide erschossen am Boden und Magnus gab zu, mindestens ein Doppelleben geführt zu haben.
Mit dem Stück „Der wahre Inspektor Hound“ erntete „Theater Speezial“ gebührenden Applaus. Denn die vielschichtige Erzählung auf mehreren Ebenen verlangte von allen Beteiligten höchste Konzentration, aber auch eine intensive Vorbereitung in den wöchentlichen Proben.

Auch wurde mit den normalen Sehgewohnheiten des Publikums gebrochen, da die eigentliche Bühne der Aula leer blieb und die neue Bühne auf die Zuschauerebene verlagert wurde. So konnte das Gefühl unter den Zuschauern erzeugt werden, live im englischen Provinztheater zu sitzen und eine Kriminalsatire dargeboten zu bekommen.

 

 

 

 

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