Westfalenpost vom 12.03.2016 / Kevin Kretzler

Literaturgruppe verbreitet Schauer in Schule

Schüler inszenieren Kurzgeschichten von Edgar Allan Poe auf Englisch

Düster, gruselig aber auch tiefsinnig ging es am Donnerstag  im Friedrich-Spee-Gymnasium zu. Dafür sorgten die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe in Begleitung einiger Gastspieler aus der neunten Klasse mit der Aufführung englischer Literaturstücke von Edgar Allan Poe. Nachdem die „Understudies“, wie sie sich selbst nennen, im vergangenen Jahr noch Marylin Monroes Komödien-Klassiker „Manche mögen’s heiß“ aufgeführt hatten, war den Schülern in diesem Jahr eher nach Schock und Grusel.

Mit fünf Stücken, die auf Englisch vorgetragen wurden, tauchte das Publikum in diverse Gruselwelten ein, die sich mit dem Tod beschäftigten. Auch die Atmosphäre stimmte: Kleine runde Tische mit Kerzenschein waren die einzigen Lichtquellen neben der Bühne, die oft nur in einem dunklen Blau oder Rot beleuchtet wurde. Spinnweben, ein menschengroßes Skelett und Raben rundeten das Bühnenbild ab.

Das verräterische Herz

Die Geschichten waren dabei äußerst abwechslungsreich trotz wiederkehrender Elemente wie dem Tod. So handelte „The Tell-Tale Heart“, im deutschsprachigen Raum als „Das verräterische Herz“ bekannt, vom Mord des Protagonisten an einem alten Mann, der ein Auge ähnlich eines Geiers besaß. Der Darsteller berichtet von seiner Tat und dass es sich dabei nicht um Motive des Hasses oder der Habgier gehandelt habe. Vielmehr höre er dank sehr reizbarer Nerven und geschärfter Sinne mehr als andere und das Auge ließ in ihm den Mordgedanken wachsen. Der Täter kann sich aber zunächst nicht zur Tat durchringen, lauert dem alten Mann trotzdem eine Woche lang im Schlaf auf. Erst das laute Pochen des alten Herzens treibt ihn dazu den letzten Schritt zu gehen. Die Leiche wird gekonnt unter den Bodendielen versteckt, aber das Pochen hört der Mann weiter. Als die Polizei auftaucht, gesteht er nach einiger Zeit die Tat, da er vermutet, dass die Polizisten ebenfalls den Herzschlag hören können und ihn deshalb seiner Tat überführt hätten.

Das ovale Portrait

In einer anderen Inszenierung mit dem Titel „The Oval Portrait“, zu Deutsch „das ovale Portrait“ wird die Geschichte eines Malers und seiner Frau erzählt. Die Frau ist eifersüchtig auf die Kunst ihres Mannes, fühlt sich nicht genug beachtet. Aus diesem Grund willigt sie ein, ihm Modell zu sitzen für ein Portrait. Doch je leidenschaftlicher sich der Maler seinem Werk widmet, desto mehr welkt sein Modell dahin. Die Tönungen, die er auf dem Bild verteilt, werden direkt aus den Wangen seiner Frau entzogen. Erst als das Bild fertig ist, erkennt er, dass seine Geliebte während des künstlerischen Prozesses gestorben ist.
Mit drei weiteren Inszenierungen („The Bells“, „The Raven“, und „The Masque of the Red Death“) endete die Vorführung unter lautstarken Ovationen von Seiten des Publikums. Aber nicht nur das war zufrieden.

Lob von Regie und Schulleitung

Regisseurin und Literaturlehrerin Julia Geise war am Ende mehr als angetan: „Die Schüler haben das ganz toll gemacht. Ich mache das Ganze schon seit sieben Jahren, aber trotzdem bin ich jedes Mal nervös. Da ist es umso schöner, wenn alles glatt geht“, ehe sie lachend ergänzt, „oder dem Publikum kleine Patzer nicht auffallen.“
Natürlich gefiel auch Schulleiter Heinfred Lichte die Aufführung: „Es war ein schauriger Abend, wie beabsichtigt, mit vielen Gästen und toller Stimmung. Man sieht deutlich, dass man mit unserer Theatertradition fortfahren kann und auch Schauer-Geschichten prima funktionieren.“ Das unterschreiben die Schüler sicher auch, die viel Spaß auf der Bühne ausstrahlten.

 

 

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