Der Patriot / Kristina Reen

Reizvoll auch ohne Gesang

Theater Speezial inszeniert „My Fair Lady" mit modernen Elementen

Dass Musicals auch funktionieren, ohne dass ein Großteil der Vorführung aus Musikstücken besteht, zeigte am Freitagabend die Theatergruppe „Theater Speezial" des Friedrich-Spee-Gymnasiums. Führten die Schülerinnen und Schüler doch eine – zumindest den musikalischen Teil betreffend – leicht abgewandelte Version des Musicals „My Fair Lady" von George Bernhard Shaw auf.

 

Ganz auf die Musik verzichtet wurde allerdings nicht. So wurde die Inszenierung nicht nur durch Pianoklänge eröffnet, sondern auch während des Schauspiels immer wieder von den aus dem Original bekannten Melodien begleitet, die von Jennifer Spanagel am Klavier interpretiert wurden.

Doch zu glauben, dass der Verzicht auf Gesangsparts dem Stück einen Abbruch tut, wäre falsch. Ist doch die Sprache und die Möglichkeit dieser, eine Person zu definieren, eine der Quintessenzen des Werks von Shaw. Und genau dieser Aspekt wurde vom „Theater Speezial" nicht nur inhaltlich, sondern auch formal auf die Bühne gebracht. So lebte die Aufführung in erster Linie von den Dialogen der Charaktere, denen von den jungen Schauspielern hervorragend Ausdruck verliehen wurde.

Allen voran die Darstellerinnen der Eliza Doolittle mimten ihre Figur äußerst glaubwürdig. Durch die große Anzahl der mitwirkenden Schüler wurde die Hauptrolle im ersten Teil von Eleni Magounis und im zweiten Teil von Katharina Mertin gespielt. Das zunächst burschikose Verhalten sowie der breite Dialekt der Figur – während Eliza im englischen Original Cockney-Englisch spricht, zog man in der deutschen Variante das Berlinerische heran – wurde von Eleni Magounis hervorragend getroffen. Auch Katharina Mertin wusste die „umerzogene" Eliza zu verkörpern, schaffte sie es doch den schmalen Grat zwischen damenhaftem Verhalten und einfältiger Tollpatschigkeit zu beherrschen. Gut unterhalten fühlte sich das Publikum auch von Felix Sander. Er spielte den Sprachwissenschaftler Professor Henry Higgins, der gar nicht bescheiden von sich behauptet, einen Dialekt bis auf die Straße genau zuordnen zu können. Durch Higgins Affektiertheit und Elizas Einfältigkeit war ein amüsanter Kontrast gegeben, der für die eine oder andere belustigende Situation sorgte.

Überzeugend wirkten auch Luise Steinhauer, die Professor Higgins Mutter überaus glaubhaft darstellte, oder Luca Wohlmeiner, der als ungarischer Phonetiker Zoltan Karpathy vor allem sprachlich brillierte. Eine schöne Idee der beiden Regisseurinnen Claudia Gallagher und Monika Pickmeier war die Rahmenhandlung. In dieser betrachteten Eliza als Großmutter (Vera Stemper) und ihre Teenie- Enkelin Alexandra (Christine Plett) die Handlung aus heutiger Sicht. Sie ließen das ganze Stück lebendiger wirken, genauso wie das Element des modernen Theaters, den Zuschauerraum als Bühne mitzubenutzen.

Geschickt war die Gestaltung des Bühnenbildes: Holzkisten, die unterschiedlich gestellt und drapiert wurden, ermöglichten einen schnellen Szenenwechsel zwischen heruntergekommener Straße und feinem Wohnzimmer. Die Zuschauer dankten für die gelungene Inszenierung herzlich mit stehenden Ovationen.

 

 

 

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