Bild1 200

Europa verstehen - Europa leben:

Erasmus+ Projekt "Welcome to Europe!?" des FSG erlebt in Brüssel ein echtes Highlight

"Welcome to Europe!?" heißt es am Friedrich-Spee-Gymnasium bereits seit Herbst 2016. Das Erasmus+ Projekt, das das Rüthener Gymnasium koordiniert und an dem Schulen aus Frankreich, Polen, Italien und der Türkei teilnehmen, geht in die Zielgerade mit dem letzten Treffen aller Teilnehmer. Eigentlich sollte dieses Treffen in Istanbul stattfinden. Angesichts der widrigen politischen Umstände entschieden die Teams der fünf Schulen allerdings im letzten Herbst, sich stattdessen auf "neutralem Boden" zu treffen. Mit der Wahl des Treffpunkts machten die fünf Schulen aus der Not eine Tugend, denn sie kamen für eine Woche in der "Hauptstadt Europas" zusammen.

Freude beim Wiedersehen: Als im Laufe des Montags die Gruppen in der Jugendherberge "Génération Europe" eintrafen, gab es viele Küsse und herzliche Umarmungen, denn die meisten Jugendlichen kannten sich bereits seit den beiden ersten Treffen in Rüthen und Terlizzi/Italien. Nachdem kurz das Programm des Treffens vorgestellt wurde, wurde die Musik aufgedreht und der Arbeitsraum, der der Gruppe die ganze Woche über in der Jugendherberge zur Verfügung stand, kurzer Hand in einen Tanzsaal umgewandelt. Mit den schon traditionellen "Integration dances" brach schnell das Eis zwischen den Jugendlichen und man fühlte sich, als hätte man sich erst gestern in Italien voneinander verabschiedet.

Fritten, Street Art und Multikulti - Auf Entdeckungstour in einer vielfältigen Stadt: Am zweiten Tag ging es zunächst auf Entdeckungstour durch die belgische Hauptstadt. Brüssel entpuppte sich als eine Metropole mit zahlreichen Facetten - vielsprachig, historisch, multikulturell, modern, europäisch - und zur Freude der Schülerinnen und Schüler voller Schokolade, Fritten und Waffeln. Natürlich wurden die berühmten Sehenswürdigkeiten wie die Grand' Place, das Manneken Pis und das Atomium besucht. Aber die Arbeit kam nicht zu kurz, im Gegenteil: Bei keinem der bisherigen Projekttreffen wurde so viel zusammen gearbeitet, zumal viele interessante Begegnungen zum Thema Europa und zur Einwanderungspolitik auf dem Programm standen. Die Jugendlichen hatten zuvor arbeitsteilig die verschiedenen Positionen der Länder Schweden, Ungarn, Jordanien und Griechenland und auch verschiedener Organisationen, die für die Rechte von Flüchtlingen einstehen, recherchiert und vorbereitet. Sie konnten es kaum erwarten, sich mit den Jugendlichen der anderen Länder, die das gleiche Thema bearbeitet hatten, auszutauschen und ihre Rolle für die Simulation einer europäischen Flüchtlingskonferenz vorzubereiten.

Begegnung mit der großen Politik im Europaparlament: Das "Arbeitsprogramm" führte die Erasmus+ Gruppe täglich ins Europaviertel: Vorbei an den Gebäuden der Europäischen Kommission und des Europäischen Rates ging es zum Europaparlament. Hier begegneten die 34 Schüler und 11 Lehrer den beiden deutschen Europaparlamentariern Dr. Peter Liese und Birgit Sippel. Sie gewährten ihnen Einblicke in den Arbeitsalltag der Abgeordneten und beantworteten die Fragen der Jugendlichen zur EU, aber besonders zur Einwanderungspolitik. Auch ein möglicher EU-Beitritt der Türkei wurde – von der türkischen Delegation angesprochen - lebhaft diskutiert. Trotz aller Verschiedenheit und scheinbarer Interessengegensätze zwischen den europäischen Staaten plädierten Sippel und Liese an die Jugendlichen, sich für Europa einzusetzen und zeigten hierfür wichtige Errungenschaften der europäischen Einigung auf.

Ein zusätzliches Highlight des Projektes war auch das Treffen mit Torsten Moritz, der der Kommission der Kirchen für Migranten in Europa angehört und somit als Lobbyist in Brüssel tätig ist. Auch er berichtete von seinem Alltag in Brüssel und konnte den Jugendlichen wertvolle Informationen an die Hand geben, die sie natürlich auch in der Simulation einer europäischen Flüchtlingskonferenz am nächsten Tag einsetzen konnte. „Sein Coaching war von großer Bedeutung und hat uns sehr geholfen, zusätzliche Argumente zu finden und so unsere Rollen noch realistischer zu vertreten,“ berichtet die Schülerin Anne Mausbach im Anschluss. "Toll, dass uns für unsere Arbeit ein Konferenzraum im Europaparlament zur Verfügung stand," ergänzt Pia Stallmeister. Dass sie mitten zwischen verschiedenen Parlamentsausschüssen tagen und Abgeordneten und Interessenvertretern direkt persönlich begegnen konnten, beeindruckte alle Beteiligten und gab der gesamten Arbeit einen sehr besonderen Rahmen.


Planspiel: Internationale Konferenz spiegelt unterschiedliche Haltungen wider

Am fünften Tag stand nun endlich die Simulation einer europäischen Flüchtlingskonferenz auf dem Plan – der finale Arbeitsschritt des Projekts, auf den die Jugendlichen fast 20 Monate hingearbeitet hatten. Nun konnten sie zeigen, was sie in den vorangegangenen Arbeitsschritten des Projektes alles über die Schicksale und die Lebensbedingungen von Flüchtlingen in den unterschiedlichsten Ländern und über die politischen Rahmenbedingungen von deren Aufnahme in die EU gelernt hatten. Gemeinsam wollten sie mögliche Lösungsansätze finden. Der würdige Rahmen in der Landesvertretung NRW zeigte den Jugendlichen erneut auf, an welch besonderem Projekt sie seit 2016 teilnehmen. Wie sehr dieses Erasmus+ Projekt des FSG auch von externen Beobachtern und Partnern aus Politik und Zivilgesellschaft geschätzt wird, zeigte nicht zuletzt deren große Unterstützung für das deutsche Team bei der Organisation von Gesprächspartnern und Tagungsorten in Brüssel.

Somit brannte es allen unter Nägeln, die Flüchtlingskonferenz endlich zu starten. Christian Neuhaus stellte den Schülerinnen und Schülern die fiktive Situation vor, in die das Simulationsspiel eingebettet war: Nach einem Angriff der USA und Saudi-Arabiens auf den Iran versuchten hunderttausende Menschen, das Kriegsgebiet zu verlassen und in den benachbarten Ländern und in Europa Zuflucht zu suchen. Der Europäische Rat, in dem sich die Regierungschefs der EU-Staaten treffen, sollte nun über geeignete Maßnahmen und eine gemeinsame europäische Flüchtlingspolitik diskutieren und, wenn möglich, zu einer gemeinsamen Abschlusserklärung kommen.

Nach einer kurzen internen Besprechung der einzelnen Länder begaben sich alle in einen ersten Austausch: Bei einem "Weltcafé" kam es zum Meinungsaustausch und ersten, teilweise durchaus kontroversen Diskussionen. Dann begann die von drei Schülerinnen als "Ratspräsidentinnen" moderierte Flüchtlingskonferenz. Schnell wurde klar, dass einige Länder unterschiedliche Ansichten haben: Die Vertreterin Jordaniens, Francesca aus Italien, bat die reichen EU-Staaten für ihr Land, das bereits Millionen Flüchtlingen aufgenommen habe und nun vor dem Kollaps stehe, um Unterstützung. Krystian, ein Schüler der polnischen Partnerschule, vertrat Ungarn und verdeutlichte allen, dass "sein" Land keine neuen Flüchtlinge aufnehmen möchte. Angela, eine Schülerin der italienischen Partnerschule, plädierte jedoch als Vertreterin von Nichtregierungsorganisationen und Lobbyistin der Flüchtlinge an alle beteiligten Länder, die harten Schicksale der Menschen, die sich hinter dem Wort „Flüchtlinge“ verbergen, nicht zu vergessen. Auch die Vertreterin Griechenlands, Alexandra aus Italien, bat um Hilfe der EU-Partner und forderte eine gerechte Verteilung der dort ankommenden Flüchtlinge auf alle EU-Staaten. Unterstützt wurde sie dabei von Schweden, das FSG-Schülerin Franziska Duve vertrat.

Wie bei den "Großen" konnte sich leider am Ende auch der "Europäische Rat" der Jugendlichen nicht auf eine neue, gemeinsame Politik der EU beim Umgang mit geflüchteten Menschen einigen. Aber nicht nur die Schwierigkeiten der Zusammenarbeit in der EU waren allen klar geworden. Alle Jugendlichen und Lehrer waren sich letztendlich einig, dass ein so großes und globales Problem wie Flucht vor Krieg oder auch Armut nicht auf nationaler Ebene bekämpft, sondern nur gemeinsam bekämpft werden kann.

Tränen am letzten Abend = erfolgreiches Treffen: Wie bei jedem Treffen stand am letzten Abend eine Party auf dem Programm und bei Musik aus allen fünf Ländern wurde ausgiebig getanzt und gesungen. Die "integration dances" brachten die gesamte Gruppe in Schwung und als die Lieder der letzten Treffen gespielt wurden, lagen sich alle in den Armen und sangen - in allen Sprachen. Die Tränen in den Augen vieler Jugendlicher sollten aber nicht einen Abschied für immer symbolisieren – man versprach sich, dass man sich bald wiedersehen werde.

Die beiden Koordinatoren des Gesamtprojektes, Marina Menke und Christian Neuhaus, die den Aufenthalt in Brüssel für die gesamte Gruppe organisierten, waren am Ende nicht nur erleichtert, sondern auch ziemlich stolz: "Wir mussten in relativ kurzer Zeit ein Treffen auf die Beine stellen - für eine sehr große Gruppe, in einer Stadt, die wir vorher nicht kannten. Die Unterbringung in der Jugendherberge "Génération Europe" war toll für das Gemeinschaftsgefühl. Und die inhaltliche Arbeit am Projektthema erfolgte - nicht zuletzt durch die Begegnungen mit den Brüsseler Akteuren und auch durch die beeindruckenden Tagungsorte - auf sehr hohem inhaltlichen Niveau. Unser Projekt hat hier einen echten Höhepunkt erreicht." Um auch in Zukunft neuen Lerngruppen die Möglichkeit zu geben, solch wertvolle Erfahrungen zu sammeln, sitzen sie bereits an der Ausarbeitung des Antrags eines neuen Erasmus+ Projektes. Denn am Ende wird der europäische Gedanke am meisten durch die Begegnung der Jugendlichen untereinander und durch die Zusammenarbeit an gemeinsamen europäischen Lösungsansätzen gestärkt.

Bild2 600

Bild3 600

Bild3 600

Bild3 600

Bild3 600

Bild3 600

Homepage-Archiv

Das Friedrich-Spee-Gymnasium ist seit 1997 im Internet präsent. Hier finden Sie die früheren Versionen unserer Homepage. Sie erhalten einen Eindruck davon, wie Internetseiten in der Vergangenheit gestaltet wurden, als die Übertragungsgeschwindigkeiten im Netz noch nicht so komfortabel waren wie heute. Die Ehemaligen werden sich erinnern...

Archiv

Im Archiv finden Sie alle Beiträge, die mit dem aktuellen Redaktionssystem erstellt wurden. Es reicht bis ins Jahr 2008 zurück. Viel Spaß beim Durchstöbern und Erinnern...