FSG-Projektkurs zur Euthanasie in der NS-Zeit auf der Zielgeraden

Links der schroffe Westerwald, rechts der Blick hinunter ins hessische Lahntal auf das Städtchen Hadamar. Dazwischen ein unscheinbares gelbes Gebäude aus der Kaiserzeit. Was anmutet wie ein lockerer Klassenausflug ist tatsächlich eine der letzten Stationen eines Schülerprojektes des Friedrich-Spee-Gymnasiums.

In der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Hadamar starben von Januar bis August 1941 mehr als 10.000 Behinderte und psychisch Kranke. Die idyllische Wiese, auf die die acht FSG-Schüler mit Lehrer Marc Eigendorf blicken, war zwischen 1941 und 1944 ein Massengrab – über 4.000 Opfer, deren Verbrennung sich das Regime sparen wollte, wurden hier verscharrt.

In den Kellern der Anstalt wurden die mehr als 10.000 Opfer vergast – unmittelbar nach der Ankunft der in der Region damals berüchtigten „grauen Busse“. Kein Ankömmling verbrachte eine Nacht in Hadamar. Auf die Ankunft erfolgte die formale Aufnahme, danach wurden sie im Keller vergast und anschließend verbrannt.

Das NS-Regime ließ hier auch die meisten Patienten der Heil- und Pflegeanstalt Warstein – heute eine LWL-Einrichtung – töten. Genau hierfür interessiert sich ein Projektkurs der elften Klasse. Mehr noch: Die Schüler suchen nach Spuren für Widerstand, der in Warstein gegen die Verlegung der Opfer – größtenteils nach Hadamar - in die Tötungsanstalten ausgeübt wurde. In den letzten Wochen hieß es daher: Kilometer machen. Archivbesuche, Drehortauswahlen, Gedenkstättenbesuche. Und immer waren Kamera und Mikro mit dabei: Schließlich wollen die Schüler ihre Forschungsergebnisse in einen eigenen Dokumentarfilm einfließen lassen. Der Besuch in Hadamar bildet den vorläufigen Schlusspunkt der Arbeit in diesem Jahr. Mit Beginn des Jahres 2017 geht an den Feinschliff – Skripte wollen geschrieben werden, das Filmmaterial wartet auf Auswertung. Eingefangen hat die Gruppe viele bedrückende Bilder – nicht nur die Gaskammer in Hadamar.

Trotz der bedrückenden Kulisse: Der Projektkurs Geschichte des FSG ist mit dem Abschluss seiner Recherchen in der früheren Tötungsanstalt im hessischen Hadamar zufrieden (v.l.): Sarah Lorenz, Anton Rikus, Joeline Markworth, Nikolina Mateska, Marie Kaniß, Julia Döbber, Lea Stallmeister. Es fehlt: Jennifer Ewald.

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