Umfrage zum Thema Alkoholmissbrauch von Jugendlichen im Raum Rüthen

Wir, die Schüler des Sozialwissenschafts-kurses der Stufe EF von Frau Panse, haben uns in den letzten Wochen intensiv mit dem Thema „Alkoholkonsum von Jugendlichen" auseinandergesetzt.

Zunächst haben wir unsere persönlichen Erfahrungen im Kurs ausgetauscht und uns mit statistischem Material zu diesem Themenkomplex auseinandergesetzt. Daraufhin hat sich der Kurs dazu entschlossen, ein Projekt zu entwickeln um an einem Wettbewerb der Bundeszentrale für politische Bildung teilzunehmen.

Hierzu entwickelten wir gemeinsam einen Fragebogen, um einen Einblick in den Umgang mit Alkohol von Schülern im Raum Rüthen gewinnen zu können. Die Umfrage wurde schulübergreifend in verschiedenen Klassen des Friedrich-Spee-Gymnasiums und der Maximilian-Kolbe-Schule durchgeführt.

Nachdem die Fragebögen eingegeben worden sind, erfolgte die Auswertung in arbeitsteiliger Partner- und Gruppenarbeit mithilfe des Statistik-Programms „Grafstat". Dieses Programm ermöglichte es uns, einzelne Merkmale miteinander in Beziehung zu setzen und die daraus resultierenden Kreuztabellen und Diagramme zu analysieren und zu interpretieren. Die genauere Analyse der Daten beförderte teilweise sehr überraschende und schockierende Ergebnisse, von denen einige in diesem Artikel vorgestellt werden sollen.

Zuerst die Ergebnisse der Untersuchung des Zusammenhanges vom Alter der Jugendlichen und der Art des Alkohols, den die verschiedenen Altersgruppen konsumieren:

Auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass ab dem 13. Lebensjahr alle Alkoholarten konsumiert werden und zwischen den verschiedenen Alkoholsorten kein allzu großer Unterschied liegt.

  • Die unter 13-Jährigen trinken kaum beziehungsweise keinen Alkohol, jedochfangen ca. 15% der Befragten mit 13 Jahren an zu trinken.
  • Die 13- bis 17-Jährigen sind sehr dem Genuss des Mixbieres/Bieres verfallen (20-30%). Ebenso trinkt jeder siebte in dieser Altersgruppe Longdrinks oder Cocktails.

Je älter die befragte Altersgruppe, desto mehr fällt der Konsum von Mixbier. Hier steigt der Konsum hochprozentigen Alkohols, z.B. liegt der Konsum von Schnaps bei den 17-Jährigen bei ca. 21%. Es ist jedoch auffällig, das sich der Genuss zwischen Schnaps und Long-drinks/Cocktails nicht sehr unterscheidet und weitgehend gleich bleibt.

Wie erwartet, ist der Konsum von Mixbier in jeder Altersgruppe vorhanden, jedoch steigt mit dem Alter auch die Prozentzahl des Alkohols.

Der erforschte Zusammenhang von Schulform und dem Alter des erstmaligen Alkoholkonsums ergibt Folgendes:

Aus den Ergebnissen geht hervor, dass von allen Befragten die Realschüler durchschnittlich am vorsichtigsten im Umgang mit Alkohol sind: Eine deutliche Mehrheit (80%) von ihnen hat noch nie Alkohol konsumiert. Diejenigen, die bereits Alkohol konsumiert haben, haben dies fast ausnahmslos mit 14 Jahren zum ersten Mal getan. Man muss allerdings sagen, dass alle Befragten der Realschule zwischen 10 und 14 Jahren alt sind.

Etwas wagemutiger sind durchschnittlich die befragten Gymnasiasten. Von ihnen haben einige wenige (ca.5%) bereits mit unter 10 Jahren Alkohol konsumiert. Etwa ein Drittel der befragten Schüler hat noch nie Alkohol konsumiert. Die Mehrheit derjenigen, die Alkohol bereits konsumiert hat, hat zwischen 11 und 13 Jahren damit angefangen. Die Befragten des Gymnasiums sind zwischen 10 und 18 Jahren alt.

Am unvorsichtigsten sind durchschnittlich die Hauptschüler, von denen einer von 10 Befragten bereits mit 10 oder unter 10 Jahren Alkohol konsumiert hat. Von ihnen hat jedoch die Mehrheit der Alkohol-Konsumierenden erst zwischen 13 und 14 angefangen. Die Befragten der Hauptschule sind zwischen 10 und 16 Jahren alt.

Als Fazit wird deutlich, dass in Bezug auf den Alkoholkonsum die Realschüler durchschnittlich am vorsichtigsten, die Gymnasiasten deutlich unvorsichtiger und die Hauptschüler am unvorsichtigsten sind.

Auch hat uns die Frage interessiert, ob die Religionszugehörigkeit einen Einfluss auf den Konsum hat. Erstaunt haben wir festgestellt, dass die muslimischen Schüler in Rüthen zu 75% Alkohol trinken, wobei allerdings auch nur acht Muslime befragt wurden. Überraschenderweise fielen nur die Katholiken durch den Konsum illegaler Drogen auf, jedoch ist hierbei zu beachten, dass im Raum Rüthen hauptsächlich Bürger katholischen Glaubens leben. Desweiteren haben wir ermitteln können, dass sich das Konsumverhalten der konfessionslosen Schüler kaum von dem gläubiger Schüler unterscheidet.

Unser Fazit ist, dass die religiöse Haltung der Schüler ihr Konsumverhalten nicht sehr stark beeinflusst. Allerdings sind die Werte in Rüthen nicht für ganz Deutschland repräsentativ, da der Großteil in Rüthen katholisch ist.

Ferner haben wir die Fragen:  "Wir oft konsumierst du im Durchschnitt Alkohol?" und "Welchen Beruf führen deine Eltern aus?" miteinander in Beziehung gesetzt.

Unsere, mit Vorurteilen behaftete, Ausgangshypothese war, dass mit fallenden sozialen Status der Eltern der Alkoholkonsum ihrer Schützlinge steigt.

Beim Auswerten der Ergebnisse unserer Umfrage  zeigte sich jedoch, dass der Anteil derjenigen die jedes Wochenende Alkohol konsumieren durch alle sozialen Schichten  gleich verteilt ist.

Jedoch ist uns auch aufgefallen, dass, je geringer der soziale Status der Eltern ist, desto geringer ist auch der Anteil ihrer Nachkömmlinge die angeben, nie Alkohol zu konsumieren.

In diesem Fall ergibt sich also eine teilweise Widerlegung unserer Vorurteile.

Betrachtet man diejenigen die 2-3x in der Woche Alkohol konsumieren lässt sich feststellen, dass Kinder, deren Eltern Beamte sind, hier am meisten vertreten sind. Dieser Befund hat uns besonders überrascht, da wir nicht damit gerechnet hätten, dass auch die höheren sozialen Schichten  übermäßig Alkohol konsu-mieren. Also wurden unsere Vorurteile auch hier widerlegt.

Wir wollten auch wissen, ob unsere Annahme, dass Jugendliche die es schon einmal erlebt haben dass jemand aus ihrem Freundeskreis aufgrund übermäßigen Alkoholverzehrs ins Kranken-haus musste, mehr Angst vor möglichen Schäden des Alkoholverzehrs haben, stimmt.

Im Ergebnis  ist deutlich geworden, dass ca. 80% der Jugendlichen, die in ihrem Freundeskreis niemanden kennen, der aufgrund übermäßigen Alkoholkonsums  im Krankenhaus behandelt wurde, große Angst vor möglichen Schäden haben. Außerdem haben wir festgestellt, dass Jugendliche, die sowohl Jungen als auch Mädchen kennen, die im Krankenhaus behandelt werden mussten, am wenigsten Angst haben. Als mögliche Erklärungsansätze könnten Verdrängung und kollektive Verharmlosung dienen.

Das Ergebnis der Statistik hat uns sehr überrascht, da unsere Vermutung, dass Jugendliche mehr Angst haben, wenn sie Freunde kennen die schon mal aufgrund übermäßigen Alkoholverzehrs im Krankenhaus waren, nicht bestätigt sondern widerlegt wurde.

Auch bei dem untersuchten Zusammen-hang der Fragen „Wann hast du das erste Mal Alkohol zu dir genommen?" und „Ab welchem Alter wird/wurde dir erlaubt, Alkohol zu konsumieren?" ließen sich zum einen nachvollziehbare, aber auch überraschende Ergebnisse ableiten.
Zunächst ist zu sagen, dass einem Viertel aller befragten Jugendlichen verboten wird jegliche Art von Alkohol zu konsumieren.
Weiterhin geben 42% der 10-jährigen an, dass es ihnen ab dem 12. Lebensjahr gestattet sei Alkohol zu konsumieren. Wenn dies der Wahrheit entspräche, wären wir darüber sehr schockiert.

Nun zu den Ergebnissen, die unseren Erwartungen entsprechen: Fast 90% der 15-jährigen geben an, dass es ihnen erlaubt sei, Alkohol zu konsumieren, was sie auch tun. Außerdem hatten alle 16-jährigen, die mit 16 Jahren anfingen zu trinken, auch die Erlaubnis dazu.

Das letzte überraschende Ergebnis ist, dass 80% der Jugendlichen, die im Alter von 16 Jahren Alkohol konsumieren dürfen, erst im Alter von 17 Jahren anfangen Alkohol zu trinken. Diese hohe Zahl von 80%, wirkt zuerst sehr unglaubwürdig. Eine mögliche Erklärung für diese hohe Prozentzahl könnte darin liegen, dass ca. die Hälfte der Fragebögen aufgrund von Klausuren, Freistunden etc. nicht von den Schülern der Oberstufe ausgefüllt werden konnten. Außerdem mussten wir viele Fragebögen aus dieser Altersgruppe aufgrund eklatanter Widersprüche bei der Beantwortung aussortieren. Schade!

Zuletzt haben wir eruiert, ob es geschlechtsspezifische Gründe für den Konsum von Alkohol gibt.

Dabei haben wir ermitteln können, dass sich die Gründe für Alkoholkonsum bei Mädchen und Jungen bis auf eine Ausnahme kaum unterscheiden.

Die meisten Jungen und Mädchen trinken Alkohol, weil es ihnen schmeckt oder aus Spaß. Es gibt allerdings kaum Jungen im Gegensatz zu Mädchen die Alkohol trinken um Probleme zu verdrängen. Außerdem kann man sehen, dass kein Mädchen Alkohol trinkt, um "cool" zu sein. Es trinken allerdings auch nur ca. 2% der Jungen Alkohol aus diesem Grund.

Zusammengefasst kann man sagen, dass das Projekt uns viel Aufschluss über verschiedenen Fragen gegeben hat und wir einige Vorurteile für uns selbst beseitigen konnten. Wie schon oben erwähnt, waren wir von manchem Konsumverhalten sehr schockiert und wir kamen selber ins Grübeln, ob wir uns im Umgang mit Alkohol immer richtig verhalten.

An dieser Stelle, möchten wir allen Schülern danken, die diese Umfrage ernst genommen haben und wahrheitsgetreu geantwortet haben. Außerdem möchten wir den Lehrern danken, die uns erlaubt haben die Umfragen in ihren Klassen zu verteilen.


 

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