Tageszeitung "Der Patriot" / Birte Schönhense

Viel mehr als ein Selfie

Gymnasiasten ziehen Besucher von Haus Buuck mit Porträts in den Bann

Die Augen haben die meiste Anziehungskraft. Weißes Glitzern, sehnsüchtige Tiefe, ausdrucksvoller Charme umgibt sie. Bei keinem der 14 Porträts, die Schüler des Friedrich-Spee-Gymnasiums aktuell in Haus Buuck ausstellen, sind sie gleich. Und auch die Nähe, die sie zum Betrachter erzeugen, ist nie gleich. Das hat die Vernissage am Donnerstagabend gezeigt.

Schließlich hat Nähe auch immer etwas mit Iden¬tifikation zu tun. Und dass sich die jugendlichen Künstler in ihren Bildern wiederfinden - das, was sie ausmacht, aber auch das, was sie berührt - ist spätestens auf den zweiten Blick erkennbar. Da ist etwa der junge, muskulöse Mann, gleichsam virtuos naturalistisch auf die Leinwand gebannt, der selbstsicher, beinah spöttisch auf den Betrachter herabblickt. Gleich daneben Martin Luther King - klar erkennbar, obwohl in seinen Konturen nur puri¬tisch angedeutet. Auch hier sind die Augen das Eindringlichste des Bildes. Der Name, den der junge Künstler Julian Welz seinem Po¬trät gegeben hat: „Civil Rights". Bürgerrechte.

„Die Hauptsache ist, dass jeder ein individuelles Bild im Kopf hat", sagt die 17jährige Pia Schniedertüns in ihrer Ansprache zur Vernissage. Gemeinsam mit 13 Mitschülern stellt auch sie ihr Porträt in Haus Buuck aus. „Hidden" heißt es - versteckt. Ein blaues Auge strahlt überlebensgroß aus dem Gesicht eines blonden Mädchens hervor, das andere ist verdeckt von Haarsträhnen. Der Fokus liegt auf dem Auge - genau das, was Pia Schniedertüns bezwecken will. „Einerseits ist da die Aufmerksamkeit, andererseits aber auch Schüchternheit", sinniert die 17-Jährige. Sie findet, dass man gar nicht schüchtern sein muss. „Dass man sich nicht abschrecken lassen muss von Perfektionismus." Schönheit - ein Thema, das die junge Frau aus Belecke beschäftigt. „Ich brauche morgens auch ziemlich lange im Bad", lacht sie. Neben ihrem Porträt hängen Bilder von zwei anderen Frauen. Ihr Ausdruck ist anders. Trotzdem bilden sie ein Dreiergespann.

Anderthalb Monate haben die jungen Gymnasiasten an ihren Werken gearbeitet. Teilweise sogar nach der Schule oder in den Ferien, verrät Lehrerin Britta Wiegand-Claes. Die Bilder befinden sich im Spannungsfeld von Nähe und Distanz, erklärt sie gemeinsam mit Kollegin Kim Puzicha. Dazu gibt's die Portfolios der Schüler zur Ansicht, in denen sie zeigen, wie sie Haut- und Lippenfarben angemischt, erste Ideen und Zeichnungen gesammelt haben.

Es ist bereits die dritte Ausstellung des Gymnas¬ums und die neunte in Haus Buuck, erinnerte Bernd Lehmann als Vorsitzender des Trägervereins Rüthener Forum für Stadtentwicklung. „Wenn ich an Bilder und Jugend denke, denke ich an Selfies", scherzte er - und machte deutlich, dass die Jugend schon immer unterschätzt wurde.

Künstlerin hat Rat an die Besucher

Dass das zu Unrecht geschah, zeigten nun die jungen Künstler. „Jugend prägt uns und unsere Zukunft", bekräftigte Schulleiter Heinfried Lichte.
Passend dazu gab Pia Schniedertüns den Besuchern der Vernissage einen guten Rat mit auf den Weg. „Stellen Sie sich die Frage: Wie nah oder fern sind mir diese Menschen? Denn Nähe ist nunmal keine Frage der Entfernung." Davon können sich Gäste im Haus Buuck noch bis Freitag, 24. März, überzeugen.

 

Fotos: Birte Schönhense

 

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