Bild1 200 Schmerzhafte und spannende deutsch-französische Geschichte vor der Haustür

FSG-Abiturienten besuchen die Französische Kapelle in Soest

Am 22. Januar jährt sich die Unterzeichnung des Elysée-Vertrages, der den Auftakt zu einer neuen Ära der deutsch-französischen Beziehungen bildete, zum 55. Mal. Aus diesem Anlass findet jährlich an diesem Datum der "Deutsch-Französische Tag" statt. Am FSG bereiten Französischkurse verschiedener Jahrgänge Beiträge hierzu vor. Die Abiturienten des Französisch-Grundkurses beschäftigen sich intensiv mit der Geschichte der Beziehungen - von der sogenannten "Erbfeindschaft" bis zu der heutigen Freundschaft und Kooperation beider Länder.

Was lag näher, als auch Spuren der Geschichte auch vor der eigenen Haustür zu suchen und zu erforschen? Dass es in Soest eine "Französische Kapelle" gibt, wussten die Abiturienten bisher allerdings noch nicht. Und deshalb machten sie sich auf den Weg zu diesem geschichtsträchtigen Ort in der ehemaligen Adamkaserne. Die Kaserne, die als Wehrmachtskaserne in den dreißiger Jahren errichtet wurde und nach dem Krieg bis 1994 von den belgischen Streitkräften genutzt wurde, diente in den Jahren von 1940 bis zum Kriegsende 1945 unter der Bezeichnung „OffLag VI“ als Kriegsgefangenenlager für französische Offiziere. Und diese Offiziere haben Spuren hinterlassen, die ihre Lebensbedingungen in der Lagerhaft eindrucksvoll nachvollziehbar machen.

Edith Engelbach, die als Französin schon lange in Soest lebt und als Kind noch die Kriegsjahre in Frankreich selbst erlebte, begrüßte die Rüthener Gruppe - natürlich in französischer Sprache - und nach einer kurzen Einführung machten sich die Gymnasiasten an die Arbeit. In der von der "Geschichtswerkstatt Französische Kapelle" liebevoll und detailreich zusammengestellten Ausstellung setzten sie sich jeweils zu zweit mit einem der thematisch gegliederten Ausstellungsräume auseinander. Das geschah natürlich ebenfalls auf Französisch. In einer wechselseitigen Führung stellten die Schülerinnen und Schüler sich anschließend die verschiedenen Räume der Ausstellung vor.

"Es ist schon etwas anderes, sich im Unterricht eher theoretisch mit geschichtlichen Ereignissen zu beschäftigen oder aber hier an so einem Ort zu sehen, wie die Menschen damals ganz konkret gelebt und auch gelitten haben," meint der 18-jährige Marius Bartsch. Und das Leben im Lager beschäftigt auch seine Mitschülerin Sina Rüther: "Auch wenn die Offiziere deutlich bessere Haftbedingungen hatten als die einfachen Soldaten, kann ich mir nicht vorstellen, wie es sein muss, unter diesen Bedingungen mehrere Jahre lang zu leben." Beeindruckt waren sie von der Kreativität der inhaftierten Offiziere, die um sich sinnvoll zu beschäftigen Theater spielten, Sport betrieben, bastelten und sogar eine eigene Universität gründeten.

Der eindrucksvollste Ort des Besuchs war aber sicherlich die sogenannte „Französische Kapelle“. Der Name erschließt sich schnell, denn die Kapelle, die die Kriegsgefangenen unterm Dach eines der Kasernengebäude schufen, ist ganz in den Farben blau-weiß-rot gehalten. Auch eine überdimensionale Frankreichkarte erinnerte die Soldaten an ihre Heimat.
Am Ende des Besuchs bringt Annika Eickel auf den Punkt, warum es wichtig ist, dass möglichst viele Menschen diesen Ort sehen: "Nach dem Besuch hier wird einem noch klarer, dass die heute sehr guten deutsch-französischen Beziehungen keine Selbstverständlichkeit sind und dass es ein sehr langer Weg mit vielen Kriegen und Konflikten war."

Leider haben nicht alle in Soest den großen Wert dieser Gedenkstätte erkannt. Der Bestand des Museums und der Kapelle sind aktuell durch Pläne der Stadt gefährdet, die das Kasernengelände neu bebauen möchte. Darüber berichtete auch der WDR-Hörfunk, der die Gruppe des Friedrich-Spee-Gymnasiums bei ihrem Besuch begleitete und zu ihren Eindrücken befragte. Moritz Overkämping, Nina Grosser und Lehrer Christian Neuhaus standen der WDR-Journalistin Rede und Antwort und zeigten sich von dem historischen Ort und der Ausstellungbegeistert sehr beeindruckt.

Ihr Fazit: "Die Französische Kapelle und ihr Museum müssen als Ort der Erinnerung unbedingt erhalten bleiben!"

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