Das Gymnasium in der Zeit des Nationalsozialismus

Von 1932 bis 1945 leitete Studiendirektor Dr. Heinrich Steinrücke die Schule mit autoritärem Gehabe. Zum 1. Mai 1933 traten er und alle anderen Lehrer - auch der Geistliche Dr. Kahle - der NSDAP bei. Beeinflusst vom Pathos der "Erneuerung" und des "nationalen Aufbruchs" sahen sie - im einzelnen unterschiedlich - durch den Nationalsozialismus die Chance, katholisch-kulturkritische, d.h. vor allem ständische und antiaufklärerische Vorstellungen durchzusetzen. Dies wirkte sich in der Anfangsphase teils deutlich auf den Unterricht und die Abiturprüfungen besonders in den eher ideologieträchtigen Fächern Deutsch, Geschichte und Biologie als auch auf das Schulleben (1933/34: geschlossene Teilnahme an öffentlichen Umzügen, fast 100%ige Mitgliedschaft in HJ, SA, BdM) aus.

Allgemeine Affinitäten zu nationalsozialistischen Grundhaltungen waren zu erkennen, doch rassistische Positionen wurden kaum bezogen. Besonders der sehr schülerorientierte ehemalige Franziskaner, Studienrat Dr. Ferdinand Hammerschmidt erwies sich öffentlich als begeisterter und begeisternder Propagandist Hitlers - u.a. bei Sonnenwendfeiern. Die örtliche Diskriminierung/Verfolgung von Sozialdemokraten, Kommunisten und Juden fand keine Beachtung.

Seit ca. 1935 verwahrten sich die Lehrer aber zunehmend gegen die einschränkenden Zumutungen der NSDAP gegenüber dem kirchlichen Terrain. Dr. Kahle trat aus der Partei wieder aus. Die staatliche Neuordnung des höheren Schulwesens 1938 und die deutschen Angriffskriege von 1939 an beeinflussten den Unterrichtsablauf erneut, u.a. durch Lehrerversetzungen, Flakhelferdienste, 1945 Unterbringung des evakuierten Elisabeth-Krankenhauses aus Bochum in Teilen des Gebäudes; sachbezogene Kontinuität war erschwert, Jungen erhielten nach Obersekunda das Notabitur. Schü1er(innen) erinnern sich nicht nur für die Kriegsjahre an fachkundige Lehrer, die vom christlichen Glauben überzeugt waren, ohne ihnen aber demokratische Vorstellungen nachzusagen. Nach 1933 stieg die Schülerzahl deutlich: 1937/38 auf 119 Jungen und 46 Mädchen, 1944 auf 92 Jungen und 108 Mädchen - viele kamen von auswärts und lebten besonders im Winter in Rüthener Pensionen/Familien.

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